
Nicole Dohrwardt
Gründerin von Female Health Management

Niklas Gonske
Senior Sales Manager bei machtfit

Simon Brzoska
Content Lead bei machtfit
Mit zielgruppenspezifischem BGM erreichen Sie systematisch mehr Mitarbeitende – das ist die Grundthese dieses Webinars. Klassisches Unisex-BGM behandelt eine 25-jährige Berufseinsteigerin, einen 55-jährigen Schichtarbeiter und eine Führungskraft Mitte 40 mit denselben Maßnahmen. Das Ergebnis: Niemand fühlt sich wirklich angesprochen, Aktivierungsquoten bleiben niedrig, Budgets verpuffen.
Der Schlüssel liegt in zwei Schritten: Erstens müssen Sie Ihre Zielgruppen im Unternehmen verstehen – nach Geschlecht, Lebensphase, Berufsgruppe. Zweitens brauchen Sie Arbeitsgruppen aus HR und BGM, die Personas entwickeln, mit dem Marketing zusammenarbeiten und in engem Austausch mit der Belegschaft passende Angebote ausspielen. Geschlecht ist dabei nur eine Dimension – aber eine, die sich besonders gut messen lässt und in den meisten Unternehmen eklatante Schieflagen offenlegt.
Frauen haben eine andere Biologie, andere Lebensphasen und andere psychische Belastungsmuster als Männer. Sie verbringen mehr Lebensjahre in schlechter Gesundheit, sind dreimal häufiger von rheumatoider Arthritis betroffen und sterben häufiger an Herzinfarkten als Männer – auch weil Symptome anders verlaufen und in der Diagnostik systematisch unterschätzt werden. Die Zahl psychischer Erkrankungen ist bei Frauen doppelt so hoch wie bei Männern, häufig getrieben durch Mehrfachbelastung in Familie und Beruf.
Ein Praxisbeispiel aus einem Wirbelsäulenscreening bei Hannover macht das greifbar: Eine Mitarbeiterin Mitte 50 berichtet von massivem Gewichtsanstieg, Gelenkbeschwerden und Bewegungsverlust seit Beginn der Wechseljahre. Die klassische Rückenberatung greift hier nicht – stattdessen braucht es Hormonaufklärung, Ernährungsberatung zur Entzündungshemmung und ein ganzheitliches Konzept. Genau hier setzt Frauengesundheit im BGM an: Hormonbalance, Zyklusgesundheit, Schwangerschaft, Endometriose, Wechseljahre, Osteoporose- und Brustkrebsprävention.
Die Erwerbstätigenquote von Frauen in den mittleren Jahren liegt bei rund 90 %. Gleichzeitig erlebt laut Robert Koch-Institut ein Drittel der Frauen mittlere und ein weiteres Drittel starke Wechseljahresbeschwerden. Die erste deutsche Studie der HWR Berlin (Menopause Support) zeigt die Konsequenzen am Arbeitsplatz: 75 % berichten von Konzentrationsproblemen, 74 % fühlen sich gestresst, 50 % sind gereizt, 38 % haben Probleme mit dem Selbstbewusstsein.
Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich: Knapp 30 % lassen sich krankschreiben oder nehmen unbezahlten Urlaub, 26 % würden ihre Arbeitszeit reduzieren, 16 % wären für einen Stellenwechsel offen, 20 % erwägen vorzeitigen Renteneintritt. In Zeiten von Fachkräftemangel und demografischem Wandel kann sich das kein Unternehmen leisten. Wirksame Maßnahmen kombinieren Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung, Führungskräfteschulungen zum Thema Wechseljahre, Workshops zu Stressmanagement, Hormonregulation und Gewichtsmanagement – ganzheitlich nach dem biopsychosozialen Modell und in Teilen über die Krankenkassen bezuschusst.
Die Live-Umfrage im Webinar bestätigt das Bild: Die Mehrheit der Teilnehmenden erreicht weniger als 20 % ihrer männlichen Belegschaft mit BGM-Maßnahmen. Männer schätzen ihre Gesundheit häufig besser ein als sie ist, gehen erst zum Arzt, wenn es zu spät ist, und meiden Vorsorgethemen wie Prostata- oder Hodenkrebs aus Schamgefühl – besonders in Gruppen-Settings. Der TK-Gesundheitsreport zeigt durchschnittlich 14 Krankheitstage pro Jahr, Hauptursachen sind Atemwegserkrankungen, Muskel-Skelett-Probleme und an dritter Stelle psychische Erkrankungen, die bei Männern systematisch unterdiagnostiziert sind.
Vier Faktoren machen Männer als Zielgruppe besonders: mangelndes Vorsorgeverhalten, klassische Volkskrankheiten (Herz-Kreislauf, Stoffwechsel), tradierte Männerrollen mit „Hilfe suchen ist Schwäche“ und – als Chance – ausgeprägte Wettkampforientierung. Die Konsequenz für die Praxis: Klassische Aufklärungsformate scheitern, weil sie weder Bedürfnisse noch Sprache der Zielgruppe treffen.
Die Top-Kategorien männlicher Buchungen 2024 zeigen ein eindeutiges Muster: Platz 1 sind Challenges (z. B. Aktiv-Challenge, Zuckerfrei-Challenge), gefolgt von Trainingszubehör, Smartwatches, Schlafprodukten, Regenerationszubehör, Ernährungsberatung, Kochboxen und Ergonomie-Equipment. Auffällig: Es geht durchweg um konkrete, greifbare Produkte – nicht um abstrakte Information. Bei Mitgliedschaften (Fitnessstudio, Boulderhalle, Tennisverein) liegt der Männeranteil bei 60 %, bei Equipment-Buchungen durchgehend höher als bei Frauen.
Bei den Gesundheitszielen zeigen sich klare Unterschiede: Kraft- und Muskelaufbau steht bei Männern mit 50 % auf Platz 1 (Frauen: 32 %), während „Stress reduzieren“ und „Verspannungen lösen“ bei Männern niedriger priorisiert sind. Beim Wohlbefinden geben 45 % der Männer Erschöpfung an – bei Frauen sind es 59 %. Die Erkenntnis: Holen Sie Männer dort ab, wo sie ohnehin Interesse zeigen, statt sie zu Themen zu zwingen, die sie nicht annehmen.
Ein Vergleich zweier Yoga-Angebote auf der machtfit-Plattform macht den Effekt sichtbar: „Skill Yoga“ mit Bild eines tätowierten Mannes – Männeranteil bei den Buchungen 50 %. „Online Yogastudio“ mit weiblichem Bild und Pastellfarben – Männeranteil unter 10 %. Bei einer Oster-Mailing-Kampagne hat die männerspezifische Variante (anderes Bild, herzhafteres Rezept) signifikant bessere Klick- und Buchungsraten erzielt als das Original.
Die Hebel sind erstaunlich einfach: passende Bildsprache, konkrete Sprache, Wettkampf- und Challenge-Mechaniken, Produkt- statt reine Informationsangebote, Verknüpfung von Aufklärung mit direkter Handlungsmöglichkeit (z. B. Vorsorgetermin direkt im Anschluss an einen Vor-Ort-Vortrag). BGM ist intern angewandtes Marketing – und die gleichen Regeln zur zielgruppengerechten Ansprache gelten.
Hamburger Hochbahn und BVG sind klassische Verkehrsbetriebe mit 83 % Männeranteil und einem hohen Anteil gewerblicher Mitarbeitender (Bus- und Zugfahrer, Technik, Handwerk). Trotz Schichtdienst, dezentraler Arbeitsorte und technischer Hürden gehören beide zu den erfolgreichsten machtfit-Kunden in puncto Aktivierung.
Das Erfolgsrezept: klare Personas, eine durchdachte BGM-Strategie, Einbindung aller Abteilungen und ein attraktives Gesundheitsbudget (bei der BVG 600 € pro Mitarbeitenden). Über die Plattform werden gezielt männerrelevante Angebote ausgespielt – von Karate über Fitness bis hin zu Equipment und Challenges. Das Ergebnis: hoher Buchungsanteil bei den Männern, hohe Mitarbeiterzufriedenheit, messbarer Return on Investment für die Geschäftsführung.
00:00 – Begrüßung und Einführung in zielgruppenspezifisches BGM
03:05 – Vorstellung der Speakerinnen und Speaker
05:25 – Frauengesundheit: Warum BGM ein Geschlecht hat
08:51 – Frauengesundheit und Arbeit: Krankheitstage und psychische Belastung
10:04 – Praxisbeispiel Wirbelsäulenscreening und Wechseljahre
13:11 – Themenfelder der Frauengesundheit im Unternehmen
14:55 – Wechseljahre: Daten, Symptome, wirtschaftliche Folgen
20:18 – Maßnahmen zur Stärkung von Frauen im Unternehmen
25:05 – Q&A Frauengesundheit
32:31 – Männergesundheit: Live-Umfrage zur Aktivierungsquote
37:11 – Warum Männergesundheit ein wirtschaftlicher Faktor ist
42:47 – Top-Kategorien männlicher Buchungen aus 13 Jahren machtfit
47:05 – Gesundheitsziele Männer vs. Frauen
51:57 – Kommunikation: Bildsprache und Mailing-Beispiele
54:42 – Best Practices BVG und Hamburger Hochbahn
56:33 – Wie machtfit Männer und Frauen passgenau erreicht
Das Netzwerk für HR-Verantwortliche, die Gesundheit strategisch denken.
hr health gibt Personalabteilungen Austausch mit Peers, praxisnahe Impulse und belastbare Daten an die Hand – für mehr Leistungsfähigkeit, Zufriedenheit und Bindung bei Mitarbeitenden.