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Gesundheits-ROI statt Bauchgefühl

Wenn ein CFO fragt, was das Corporate Health Budget gebracht hat, reicht „die Mitarbeitenden fühlen sich wohler“ nicht mehr aus. Budgets werden 2026 enger und wer Wirkung nicht beweisen kann, verliert sie. Wolfgang Köning (CEO spexa GmbH) liefert Einblicke zum Business Health Index und zeigt, wie Gesundheit zum messbaren Wirtschaftsfaktor wird. Es geht um relevante Kennzahlen und Zielbilder für die Vorstandseinbindung. Ebenfalls mit dabei ein Praxis-Einblick aus dem Corporate Health der SMS group.

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Gesundheits-ROI statt Bauchgefühl

Wie HR die Wirkung von Gesundheit, Zufriedenheit und Bindung in Euro beweist.

Wolfgang Köning

CEO bei spexa

Simon Brzoska

Content Lead bei machtfit

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Der Gesundheits-ROI ist die Frage, an der sich betriebliches Gesundheitsmanagement 2026 entscheidet. Solange die Budgets komfortabel sind, genügt oft die Überzeugung, dass Gesundheit „sich lohnt“. Sobald der Rotstift kreist, will die Geschäftsführung wissen: Welchen messbaren Beitrag leisten die Gesundheitsangebote – in Euro? Genau hier klafft eine Lücke. Rund 58 Prozent der Unternehmen können die Wirkung ihrer Gesundheitsangebote nicht belastbar messen, und wer erst in der Sparrunde damit beginnt, ist zu spät dran. Der Ausweg ist kein weiteres Tool, sondern eine klare Logik: Ziel definieren, Bedarf statt Wunsch messen, Soft Facts seriös in Euro übersetzen und so reporten, dass der Vorstand in fünf Minuten überzeugt ist. Die folgenden Abschnitte zeigen, wie aus Bauchgefühl belastbare Daten – und aus verteidigten Budgets verhandelte werden.

Gesundheits-ROI als Pflichtfrage?

Gesundheitsangebote wurden lange aus einem Selbstverständnis heraus finanziert – teils gesetzlich getrieben, teils aus echter Fürsorge. Diese Logik trägt, solange die wirtschaftliche Lage stabil ist. Werden Budgets enger, ist der CFO die erste Person, die fragt: Was davon ist wirklich Wertschöpfung? Genau in diesem Moment entscheidet sich, ob ein Gesundheitsengagement bestehen bleibt oder gekürzt wird.

Die Zahlen zeichnen ein deutliches Bild. Etwa 55 Prozent der Unternehmen werden nur selten nach dem ROI ihrer Gesundheitsmaßnahmen gefragt – doch dieser Druck wächst spürbar. 58 Prozent können die Wirkung ihrer Angebote nicht belastbar messen. Und nur rund 9 Prozent werden regelmäßig gefragt und können zugleich mit aussagekräftigen Daten antworten. Die große Mehrheit ist also nicht auskunftsfähig, wenn es darauf ankommt.

Das eigentliche Risiko liegt im Timing. Wer erst zu messen beginnt, wenn die Kürzungsrunde bereits läuft, steht mit leeren Händen da – die Datengrundlage entsteht nicht über Nacht. Wer den Wert von Gesundheit sichern will, legt die Messbarkeit früh an, lange bevor jemand danach fragt. Der Gesundheits-ROI ist damit vom Nice-to-have zur strategischen Pflichtfrage geworden.

 

Hürde: Umsetzung oder Steuerung

Es wäre ein Missverständnis, HR und Gesundheitsmanagement mangelndes Engagement vorzuwerfen. In den letzten Jahren sind Strukturen entstanden, Angebote etabliert, digitale Formate aufgebaut und das Bewusstsein für Prävention gestärkt worden. Am Einsatz liegt es nicht. Geändert haben sich die Spielregeln.

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist aus einer Angebotslogik gewachsen: Erfolg wurde lange daran gemessen, was angeboten wird und wie viele teilnehmen. Doch Vorstände erwarten heute Antworten auf andere Fragen. Welchen Beitrag leisten die Maßnahmen zur Leistungsfähigkeit? Welche Investition zahlt sich tatsächlich aus? Worin sollten wir als Nächstes investieren? Für diese Fragen reichen Aktivitäten allein nicht mehr aus – es braucht Kennzahlen, die Ursache und Wirkung verbinden. Das eigentliche Problem ist also kein Umsetzungs-, sondern ein Steuerungsproblem.

Der Hebel liegt in der richtigen Reihenfolge: Erst die Strategie, dann die Kennzahl. Das Ziel definiert, was gemessen wird – nicht umgekehrt. Wer ohne klares Ziel misst, sammelt Daten ohne Richtung. Und die strategische Verankerung zahlt sich unmittelbar aus: Unternehmen, die Gesundheit strategisch verankert haben, berichten zu 56 Prozent von einem positiven Budgettrend – ohne Verankerung sind es nur 19 Prozent. (Daten aus Corporate Health Insight Report 2026)

Ich denke nicht, dass HR ein Umsetzungsproblem hat, sondern vor allen Dingen ein Steuerungsproblem.
Wolfgang Köning,

CEO bei spexa

 

Wunsch ≠ Bedarf: Was wirkt wirklich?

Beliebte Benefits sind nicht automatisch wirksame Benefits. Auf den Wunschzetteln der Belegschaft stehen meist Firmenfitness, Essenszuschuss, Massage, Fahrrad-Leasing oder Produkte für Schlaf und Entspannung. Diese Angebote erzeugen einen Wow-Effekt und wirken vor allem auf Zufriedenheit und Motivation. Der eigentliche gesundheitliche Bedarf sieht oft anders aus: mentale Gesundheit und Krisenhilfe, Screenings und Facharztvermittlung, Unterstützung bei Pflege und Familie, Frauengesundheit, Ergonomie sowie eine gesunde Führung. Diese verborgenen Bedürfnisse wirken auf Gesundheit, Fehlzeiten und Bindung – tauchen aber selten auf einem Wunschzettel auf.

Der entscheidende Unterschied liegt zwischen Bedürfnis und Bedarf. Das Bedürfnis beschreibt, was Menschen sich wünschen. Der Bedarf beschreibt, was sie tatsächlich brauchen – und das kann nicht jeder sofort benennen. Über die Maßnahme sollte deshalb der objektive Bedarf entscheiden, nicht der spontane Wunsch.

Diesen Bedarf gilt es zuerst zu messen: über Belastungsanalysen, Befragungen und fachliche Bewertung – standardisiert und benchmarkfähig, damit echter Handlungsbedarf sichtbar wird. Denn Verfügbarkeit ist nicht dasselbe wie Nutzung. Wirkung entsteht als Kette: Bedürfnisse erkennen, gezielt aussteuern, in Nutzung übersetzen und dann messen. Unternehmen mit positivem ROI wissen genau, welche Maßnahme auf welche Wirkung einzahlt.

[GRAFIK: Folie „Wirkungs-Steuerung: Wunsch ≠ Bedarf“ | Zwei-Spalten-Vergleich: Top-Wünsche (Wow-Effekt) vs. verborgene Bedürfnisse]

 

Vom Soft Fact zum Euro-Wert

Die Wirkung von Gesundheit lässt sich in zwei Hälften teilen. Die Kostenseite ist fast immer gut messbar – ebenso wie die reine Nutzung von Angeboten. Der Return dagegen ist gemischt: Fehlzeiten und Fluktuation sind noch relativ gut zu beziffern, während Produktivität, Bindung und Arbeitgebermarke oft eine Blackbox bleiben. Genau das beschreibt der Gedanke des Return on Prevention – lohnend wird es ab einem Faktor größer als eins.

Seriös in Euro übersetzbar sind mehr Effekte, als viele annehmen. Ein krankheitsbedingter Fehltag kostet je nach Berechnung rund 152 bis 257 Euro (BAuA 2024). Ein einzelner Fluktuationsfall schlägt mit 90 bis 200 Prozent eines Jahresgehalts zu Buche. Auch Präsentismus und Produktivitätsverluste lassen sich abbilden – und selbst Kultur, Vertrauen und Führung werden über Indizes vergleichbar und rechenbar.

Bei aller Rechenlust hilft Ehrlichkeit. Der oft zitierte Return von „ein Euro rein, drei Euro raus“ hält einer strengen Prüfung nicht immer stand: Metaanalysen zeigen im Mittel etwa 2,38 Euro Rückfluss je investiertem Euro, in ausschließlich randomisiert-kontrollierten Studien aber nur 0,78 Euro. Der ROI ist kein Selbstläufer – er entscheidet sich in der Umsetzung. Überzeugender als jede fremde Studie sind deshalb eigene Zahlen mit konservativen Annahmen.

 

Die richtigen Kennzahlen für den Vorstand

Nicht jede Kennzahl gehört in den Vorstandsbericht – und die beliebteste ist zugleich die trügerischste. Fehlzeiten sind rückblickend: Sie sagen, wer gestern krank war, aber nicht warum und schon gar nicht, wer morgen ausfällt. Aussagekräftiger ist der prospektive Blick, der auf eigenen Daten basiert. Ein Unternehmen interessiert am Ende nicht die Abwesenheit auf dem Papier, sondern die Leistungsfähigkeit der Belegschaft, die sich in deutlich mehr Ebenen widerspiegelt.

Beim Format gilt: weniger ist mehr. Ein Vorstand will kein Dashboard mit zwanzig Kennzahlen, aus denen keine einzige Entscheidung folgt, sondern ein klares, plakatives Bild – vergleichbar mit der Warnleuchte im Auto oder einer Ampellogik. Drei bis maximal fünf Aussagen auf einer Seite, keine Maßnahmenliste, keine Prosa, kein Prozessbericht.

Der Rest ist Kommunikationshandwerk. Wirksam sind konkrete Wertschöpfung in Euro, eigene Zahlen mit konservativen Annahmen, Klarheit über Cost Center und Profit Center sowie ein gutes HR Data Storytelling. Kontraproduktiv sind Maßnahmenlisten, Wohlfühl-Argumente ohne Zahl und pauschale ROI-Versprechen. Idealerweise reportet HR nicht einmal jährlich, sondern quartalsweise – oder gibt der Führungsspitze tagesaktuellen Zugang, sodass sie ihre Schlüsse selbst zieht.

 

In vier Phasen zum Gesundheits-ROI

Der Weg von der ersten Messung zum vorstandsfähigen Nachweis lässt sich in vier Phasen strukturieren.

Phase 1 – Verankern. Zuerst das Business-Ziel klären, etwa „rückenbedingte Fehltage um 20 Prozent senken“. Danach die Zielgruppe priorisieren und dort starten, wo Problemlast und Hebel am größten sind. So entsteht Fokus statt Gießkanne.

Phase 2 – Messen. Nun den Impact priorisieren und Maßnahmen mit klarer Wirkung auf Fehlzeiten und Leistung auswählen. Eine Pilot-Messung macht die Effektstärke vorher und nachher sichtbar – belastbar und in überschaubarer Zeit.

Phase 3 – Nutzen. Jetzt zählt Reichweite: Führungskräfte aktivieren und Teilnahme umfassend fördern, denn Verfügbarkeit allein wirkt nicht. Anschließend langfristig verankern – über Refresher, Policies und einen integrierten HR-Lifecycle von Onboarding bis Entwicklung.

Phase 4 – Aufzeigen. Zum Schluss die Wirkung sichern – Skaleneffekte nutzen, Kosten optimieren, Qualität halten – und den konkreten ROI darstellen: einen Vorstandsbericht erarbeiten und die Wirkungskette laufend nachschärfen.

Der Reiz dieser Logik liegt in ihrer Bewegung: Verankern führt zu Messen, Messen ermöglicht Argumentation, Argumentation sichert Budget. Wer diese Kette einmal geschlossen hat, wechselt von der Rolle des Kostenträgers in die des Wertschöpfers.

 

Wer Wirkung zeigt, verhandelt Budget

Am Ende geht es nicht darum, alles zu messen, sondern das Messbare sauber zu messen – und den Rest ehrlich als das zu benennen, was er ist. Gesundheitsengagement, das seine Wirkung belegt, argumentiert aus einer Position der Stärke. Gesundheitsengagement, das nur auf gutes Gefühl setzt, gerät in der nächsten Sparrunde unter Rechtfertigungsdruck. Der Unterschied ist selten das Engagement, fast immer die Datengrundlage.

Auch der oft gefürchtete Datenschutz ist dabei kein Hindernis, sondern ein Vertrauensfaktor: Mit konsequenter Anonymisierung, Auswertungen erst ab etwa zehn Personen pro Gruppe und klarer Kommunikation steigt die Bereitschaft, sich zu beteiligen – und damit die Qualität der Daten. Betriebsrat und Belegschaft stehen ernsthaft betriebener Messung in aller Regel positiv gegenüber.

Der Perspektivwechsel, der bleibt: weg vom Bauchgefühl, hin zu Daten. Wer heute die Diagnose stellt, den Bedarf statt den Wunsch misst und seine Zahlen konservativ rechnet, macht Gesundheit zum steuerbaren Werttreiber – und aus einem Cost Center schrittweise ein Profit Center.

Wer Wirkung zeigt, der verhandelt Budget. Und wer keine Wirkung zeigt, der verteidigt es – und verteidigen ist immer anstrengender, als zu verhandeln.
Simon Brzoska,

Content Lead bei machtfit

Dieser Beitrag fasst die zentralen Erkenntnisse der Masterclass „Gesundheits-ROI statt Bauchgefühl“ zusammen – mit Wolfgang Köning, Gründer & CEO von spexa und Simon Brzoska, Content Lead bei machtfit. Die vollständige Aufzeichnung mit allen Zahlen, Beispielen und der Q&A-Runde ist exklusiv in der hr health Community verfügbar. Dort findest du auch weiterführende Materialien, den Corporate Health Insight Report 2026 und den direkten Austausch mit HR- und BGM-Verantwortlichen, die vor derselben Frage stehen. Für den Teil 2: Gesundheits-ROI Praxis Deepdive mit dem konkreten Case der SMS group kannst du dich hier anmelden.

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hr health ist das Netzwerk für HR-Verantwortliche, die Gesundheit strategisch denken. Darin gibt es Austausch mit Peers, praxisnahe Impulse und belastbare Daten an die Hand.