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Fehlzeiten strategisch senken: Was ist dran an »Krank ist krank«?

Erfahren Sie, wie Sie Fehlzeiten um 20-50% reduzieren können, indem Sie systematisch motivationsbedingte Abwesenheit angehen.

Manuel Fink

Autor & Experte für Fehlzeiten bei Adecco Group

Simon Brzoska

Content Lead bei machtfit

Fehlzeiten strategisch senken ist das Gebot der Stunde: Mit über 20 Fehltagen pro Person und Jahr erreicht Deutschland neue Höchstwerte. Während HR-Verantwortliche oft resigniert sagen »Krank ist krank«, zeigt die Praxis ein anderes Bild. Experte Manuel Fink belegt mit konkreten Zahlen, dass nur 3% der Fehlzeiten tatsächlich unvermeidbar sind. Der motivationsbedingte Absentismus macht einen erheblichen Teil aus und ist durch systematische Führung und Kommunikation beeinflussbar. Dieses Webinar deckt auf, welche Hebel wirklich funktionieren und wie Sie messbare Erfolge erzielen.

Was Sie aus dem Webinar mitnehmen 

  • Ursachenanalyse moderner Fehlzeiten → Sie verstehen die sechs Hauptfaktoren für den Anstieg seit 2008 und können gezielt ansetzen. 
  • R.U.F.-Methode für Fehlzeitenreduktion → Sie lernen das bewährte 4-Elemente-System aus Training, Controlling, Meetings und Gesprächen. 
  • Bettkanten-Entscheidung und Bindung → Sie erkennen, warum Mitarbeiterbindung der Schlüsselfaktor ist und wie Sie diese stärken. 
  • Führungstypen und Konfliktbereitschaft → Sie identifizieren problematische Führungsverhalten und entwickeln Lösungsansätze. 
  • Praxiserprobte Best Practices → Sie erhalten konkrete Umsetzungsideen aus erfolgreichen Unternehmensbeispielen mit messbaren Ergebnissen. 

 

Deutschland meldet sich krank: Die komplexe Ursachenanalyse 

Deutschland ist Europameister bei den Fehltagen – doch die Gründe sind vielschichtig. Seit 2008 steigen die Fehlzeiten kontinuierlich, besonders dramatisch nach Corona. Sechs Hauptfaktoren treiben diese Entwicklung: Der Anstieg der Atemwegserkrankungen durch erhöhte Sensibilität, demografische Aspekte mit alternder Belegschaft, Arbeits- und Fachkräftemangel, der zu Überlastung führt, psychische Erkrankungen mit einem Anstieg um 48% in zehn Jahren, die vollständige digitale Krankmeldung seit 2023 und paradoxerweise die positive wirtschaftliche Situation, die weniger Arbeitsplatzangst bedeutet. 

Beeinflussbare versus nicht beeinflussbare Fehlzeiten 

Der entscheidende Durchbruch kommt mit der Erkenntnis: Nur 1,5-3% der Fehlzeiten sind tatsächlich medizinisch unvermeidbar. Professor Dr. Peter Nieder definierte bereits vor 25 Jahren den „Sockelbetrag“ echter Arbeitsunfähigkeit. Alles darüber hinaus ist motivationsbedingter Absentismus und damit beeinflussbar. Diese Abwesenheiten entstehen aus fünf Ursachengruppen: echter medizinischer Notwendigkeit, schädlicher Arbeitsgestaltung, persönlichen Problemen als Lösungsstrategie, internen Konflikten als „Retourkutsche“ und dem Missbrauch der Sozialgesetzgebung durch bewusste „Krankmacher“. 

Die Bettkanten-Entscheidung verstehen 

59% aller Arbeitnehmer melden sich gelegentlich krank, obwohl sie arbeitsfähig wären – so aktuelle Studien der Pronova BKK. Diese „Bettkanten-Entscheidung“ erfolgt in einem individuellen Graubereich zwischen 100% fit und 100% arbeitsunfähig. Der entscheidende Faktor ist die Mitarbeiterbindung: Menschen mit hoher Bindung fehlen durchschnittlich 5 Tage im Jahr, solche ohne Bindung 7,9 Tage – ein Unterschied von 60% laut Gallup Engagement Index. Bindung umfasst dabei alle Aspekte von Führungsqualität über Arbeitsaufgaben bis zur Gehaltszufriedenheit. 

Die R.U.F.-Methode für systematische Fehlzeitenreduktion 

Die seit 2012 entwickelte R.U.F.-Methode (Reduzierung ungeplanter Fehlzeiten) besteht aus vier wissenschaftlich fundierten Elementen: Training für Bewusstseinsstärkung bei Führungskräften und Mitarbeitenden, systematisches Controlling mit monatlicher Kommunikation aller Kennzahlen transparent an alle Hierarchieebenen, regelmäßige Meetings zur strukturierten Besprechung jeder einzelnen Fehlzeit ohne Vorwürfe, sondern als Analyse und strukturierte Gesundheitsförderungsgespräche nach längerer Abwesenheit. Diese Kombination aus Management und Methode führt zu messbaren Erfolgen zwischen 20-50% Fehlzeitenreduktion. 

Führungstypen und ihre Auswirkung auf Fehlzeiten 

„Jede Führungskraft hat die Fehlzeiten, die sie verdient“ – diese provokante These belegt Fink mit der Analyse von sieben Führungstypen: Wegschauer, Harmonizer, Opfer, Peitsche, Aufgabenmagnet, Wachstumstyp und Motivator. Zwei Hauptgründe führen zu hohen Fehlzeiten: mangelndes Bewusstsein über die Beeinflussbarkeit von Fehlzeiten und fehlende Konfliktbereitschaft bei schwierigen Gesprächen. Erfolgreiche Fehlzeitenreduktion erfordert Führungskräfte, die bereit sind, unangenehme Wahrheiten anzusprechen und konsequent zu handeln. 

Best Practice: Arbeitssicherheit bei ProServ 

Ein konkretes Erfolgsbeispiel zeigt die Wirksamkeit systematischer Ansätze: 64% aller Arbeitsunfälle bei ProServ entstanden durch Hand- und Fingerverletzungen beim Transport von Produktträgern. Mit der Kampagne „Augen auf und Finger weg, wenn’s eng wird!“ wurde durch gezielte Kommunikation, Schulungen und Sensibilisierung eine 48%ige Reduzierung der Ausfallzeiten aufgrund von Quetschungen erreicht. Im Folgejahr sanken die Arbeitsunfälle mit Ausfallzeiten um 45%, meldepflichtige sogar um 69%. Das Ergebnis: 3.000 Arbeitsstunden weniger Ausfall und eine Rückerstattung von 34.800 Euro durch die Berufsgenossenschaft. 

Leitbild als Führungsinstrument 

ProServ entwickelte ein praxistaugliches Sicherheits- und Gesundheitsleitbild mit der Vision: „Jeder, der mit unserem Unternehmen in Verbindung tritt, gewinnt an Sicherheit und Gesundheit.“ Dieses Leitbild ruht auf drei Schwerpunkten: Sicherheit und Gesundheit ist alles, Sicherheit und Gesundheit fördern und wiederherstellen, sicher und gesund als Motiv. Entscheidend ist die konsequente Umsetzung durch Kommunikation, Vorbild und Konsequenz in allen Führungsentscheidungen. 

Handlungsempfehlungen 

  1. Beginnen Sie mit einer ehrlichen Analyse Ihrer Fehlzeitenstruktur. Unterscheiden Sie systematisch zwischen medizinisch notwendigen und motivationsbedingten Abwesenheiten. Der Sockelbetrag von 1,5-3% hilft Ihnen bei der realistischen Einschätzung Ihres Potenzials. Implementieren Sie ein transparentes Controlling-System, das monatlich alle Ebenen über die aktuellen Kennzahlen informiert. Nur was gemessen wird, kann auch gesteuert werden.

  2. Stärken Sie die Führungskompetenz in Ihrem Unternehmen gezielt. Schulen Sie Führungskräfte im Bewusstsein für beeinflussbare Fehlzeiten und entwickeln Sie ihre Konfliktbereitschaft. Etablieren Sie regelmäßige Gespräche nach Krankheitsrückkehr – nicht als Kontrolle, sondern als Wertschätzung und Gesundheitsförderung. Diese Aufmerksamkeit signalisiert jedem Mitarbeitenden: Du wirst wahrgenommen, deine Arbeit ist wichtig.

  3. Investieren Sie systematisch in die Mitarbeiterbindung, denn sie ist der wichtigste Hebel für Fehlzeitenreduktion. Kombinieren Sie Fehlzeitenmanagement mit betrieblicher Gesundheitsförderung für maximale Wirkung. Mit der richtigen Strategie sind Reduzierungen von 20-50% keine Utopie, sondern messbare Realität. 

Timecodes im Video

00:00 – Begrüßung und Webinar-Überblick  

03:00 – Aktivierungsumfragen zu Fehlzeiten  

07:00 – Deutschland als Europameister der Krankmeldungen  

21:00 – Sechs Ursachen für steigende Fehlzeiten  

28:00 – Beeinflussbare vs. nicht beeinflussbare Fehlzeiten  

35:00 – Fünf Ursachengruppen von Arbeitsunfähigkeit  

41:00 – Statistische Daten zur Bettkanten-Entscheidung  

44:00 – Mitarbeiterbindung als Schlüsselfaktor  

47:00 – Führungskräfte und ihre Verantwortung  

52:00 – Die R.U.F.-Methode im Detail  

1:09:00 – Best Practice Beispiele aus der Praxis  

1:21:00 – Diskussion und Fragerunde 

Das Netzwerk für HR-Verantwortliche, die Gesundheit strategisch denken.

hr health gibt Personalabteilungen Austausch mit Peers, praxisnahe Impulse und belastbare Daten an die Hand – für mehr Leistungsfähigkeit, Zufriedenheit und Bindung bei Mitarbeitenden.