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Wie man die psychische Gesundheit und Resilienz der Mitarbeiter stärkt - Interview mit Selfapy-Gründerin Nora Blum

Wie man die psychische Gesundheit und Resilienz der Mitarbeiter stärkt – Interview mit Selfapy-Gründerin Nora Blum

Interviews

Nora Blum

Psychische Erkrankungen sind weit verbreitet und in Deutschland der zweithäufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit. Die psychischen Störungen wirken sich aber nicht nur auf die Mitarbeitergesundheit aus, sondern auch auf die Produktivität und den Umsatz des Unternehmens.

Was können Personalverantwortliche tun, damit es gar nicht erst so weit kommt? Die Gründerin und Geschäftsführerin des psychologischen Online-Programms Selfapy erzählt im Interview, wie Unternehmen die Gesundheit und psychische Widerstandsfähigkeit (Resilienz) der Mitarbeiter fördern können.

 

Guten Tag Frau Blum, bitte stellen Sie sich und Ihr Unternehmen kurz vor.

Mein Name ist Nora Blum und zusammen mit Katrin Bermbach und Farina Schurzfeld habe ich vor 3,5 Jahren Selfapy gegründet. Selfapy ist ein Portal mit Online-Kursen für Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Stressproblemen, die telefonisch oder per Chatfunktion von Psychologen begleitet werden.

Was war Ihre Motivation dafür Selfapy zu gründen?

Ich bin Psychologin und komme aus einer Psychotherapeutenfamilie. Als ich meine ersten klinischen Erfahrungen in der Psychiatrie gemacht habe, hat sich bestätigt, was ich Zuhause bereits gesehen habe: Ein riesiges Versorgungsdefizit für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Viele Menschen trauen sich nicht einen Therapieplatz zu suchen und wenn sie soweit sind, müssen sie im Schnitt 5 Monate warten. Mit Selfapy wollten wir Menschen Hilfe bieten, die sehr niedrigschwellig ist und sehr schnell geht.

Viele psychische Störungen fangen am Arbeitsplatz an. Was sind Ihrer Einschätzung nach wichtige arbeitsplatzbezogene Faktoren, die psychische Erkrankungen begünstigen?

Häufig gibt es ein Ungleichgewicht aus dem, was man an Arbeit reinsteckt und dem, was man dafür bekommt. Wenn man Wertschätzung bekommt und weiß, warum man etwas tut, kann man viel zu tun haben und trotzdem nicht in die Stressfalle oder in den Burnout geraten.

Viel hat aber auch mit dem eigenen Persönlichkeitsprofil zu tun: Menschen, die sehr zielstrebig sind und es alles recht machen wollen, geraten schneller in den Burnout. Das muss gar nicht der Top-Manager sein, sondern kann auch ein Mitarbeiter sein, der es dem Vorgesetzten, den Kindern, der Familie und dem Partner recht machen will und möchte, dass alle glücklich sind. Es basiert gar nicht nur darauf, was man an Aufgaben bekommt, sondern was man für Erwartungshaltungen an sich selbst hat.

Das Thema Wertschätzung ist auch bei uns sehr wichtig. Laut der Wirksamkeitsstudie des Umfragezentrums Bonn erleben 85 % der machtfit-Nutzer die machtfit-Plattform als Wertschätzung von ihrem Arbeitgeber.

Das kann ich mir gut vorstellen. Wir sind selbst gerade in so einem Umschwung, dass wir so etwas brauchen als Unternehmen. So ein Angebot kann einem schon das Gefühl geben, dass die eigene Arbeit wertgeschätzt wird. Das macht ganz viel aus, wenn ich sehe, dass mein Unternehmen sich kümmert und will, dass es mir gut geht. So habe ich nicht das Gefühl, dass ich ganz viel tue und sich niemand dafür interessiert.

Laut einer BKK-Studie von 2018 fühlt sich jeder 2. Mitarbeiter Burnout-gefährdet. Welche Maßnahmen können Personalverantwortliche ergreifen, damit es gar nicht erst soweit kommt?

Das Thema Wertschätzung ist wie gesagt ein wichtiger Punkt. Es hilft, wenn der Mitarbeiter sich als Teil des Unternehmens fühlt und auch weiß, wofür er arbeitet. Natürlich muss auch der Workload des Mitarbeiters für ihn machbar sein. Dazu können auch Zusatzangebote helfen, wie z.B. regelmäßige Events im Team oder eine Plattform wie machtfit.

Kommunikation ist auch immer wichtig. Den Mitarbeiter regelmäßig fragen, wie es ihm geht und ob er sich mit seinen Aufgaben wohlfühlt. Fragen und auch das Auge dafür haben, wenn mal sehr viel zu tun ist, wie der Mitarbeiter damit umgeht. Ansonsten ist es wichtig eine fest eingebaute Struktur für Mitarbeiter zu haben wo sie Feedback geben können. Hier ist es natürlich auch wichtig, einen guten Personaler zu haben, zu dem der Mitarbeiter gehen kann, wenn es ihm nicht gut geht. Wir machen bei uns zudem einmal im Jahr eine anonyme Mitarbeiter Umfrage. Außerdem kann es besonders jüngeren Mitarbeitern helfen, ein Mentoringprogramm aufzubauen.

Halten Sie jüngere Generationen stärker gefährdet für psychische Erkrankungen oder speziell für Burnout?

Tendenziell ist es so, dass psychische Erkrankungen relativ stabil geblieben sind, aber sich immer mehr Menschen Hilfe suchen, was erst einmal super ist. Ich glaube aber, dass die Entgrenzung von Arbeit- und Privatleben, die wir jetzt in unserer Generation durchleben, einen Effekt auf psychische Erkrankungen und Überforderung hat. Einerseits sind Smartphones und Home-Office-Möglichkeit toll, aber dadurch wird auch erwartet, dass man jederzeit erreichbar ist.  Man muss aufpassen, dass die Arbeit- und die Privatwelt nicht zu sehr ineinander übergehen und verschwimmen, weil dann ist es natürlich noch schwerer sich von der Arbeit und dem Stress zu lösen.

Manche Menschen bewältigen Krisen oder Stressphasen dennoch besser als andere. Woran liegt das?

Resilienz, also die psychische Widerstandsfähigkeit, wird schon ganz früh im Leben geprägt. Resilienzvermögen bedeutet, dass man sich schneller von Rückschlägen erholt. Resilienz geht einher mit einem gesunden Selbstvertrauen in sich und seine eigenen Fähigkeiten. Das hat auch ganz viel mit Selbstwert zu tun: Auch wenn es einem schlecht geht oder man negatives Feedback erhalten hat, weiß man, dass es nicht den eigenen Wert bestimmt.

Kann man diese Widerstandsfähigkeit auch im Laufe des Lebens erlernen und aufbauen?

Definitiv. Dazu gehört, dass man sich bewusst macht, was die eigenen Fähigkeiten und Stärken sind, auf die man auch in schwierigen Phasen zurückgreifen kann. Das kann auf verschiedenen Ebenen passieren und muss nichts mit der Berufswelt zu tun haben, zum Beispiel, dass man tolle Freunde hat, eine liebevolle Familie, eine schöne Wohnung, jeder Mensch findet irgendetwas.

Oft helfen auch kognitive Tricks wie Entkatastrophisierung. Dabei schaut man: Was ist das schlimmste, was passieren kann? Man spielt seine eigenen Sorgen einmal bis ins letzte Detail durch und oft merkt man dann: So schlimm ist es gar nicht.

Wie können Unternehmen oder HR-Verantwortliche die Mitarbeiter dabei unterstützen mehr Resilienz aufzubauen?

Eine Gesundheitsplattform wie machtfit ist natürlich toll, einmal auf der Ebene der Wertschätzung und einmal auf der Ebene, dass die Mitarbeiter verschiedene Angebote wie Selfapy, aber auch Entspannungs- oder Sportkurse nutzen können. Das ist ein gutes Gefühl, wenn mein Chef mir so etwas bietet.

Arbeitgeber sollten regelmäßig schauen, wie sie ihre Mitarbeiter einsetzen und ob sie auch in Bereichen arbeiten, in denen sie sich stark und kompetent fühlen. Außerdem ist es hilfreich klare Aufgaben zu vergeben und Erwartungshaltungen zu kommunizieren. So empfindet der Mitarbeiter auch mehr Kontrolle und weiß, was er gegebenenfalls ändern kann. Genauso wichtig ist es, Erfolge zu feiern und zu loben, damit das positive Selbstbild von den Mitarbeitern gestärkt wird. Ansonsten ist es natürlich auch gut, wenn man als Arbeitgeber Resilienztrainings oder ähnliches bereitstellt.

Vielen Dank für das Interview Frau Blum!

 

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