Jetzt zur kostenlosen HR Masterclass anmelden | Thema: Führung wirkt messbar | 03.06. 11:00-12:00 Uhr hier anmelden und teilen

Erfolgsfaktor 55+: Generationenmanagement für leistungsfähige Teams

Wie Sie mit gezieltem Generationenmanagement und einem alternsgerechten BGM die Stärken Ihrer Belegschaft 55+ heben und Fachkräfte langfristig binden.

Martina Schmeink

Geschäftsführerin bei Demografie Netzwerk Deutschland (ddn)

Catharina Maria Klein

Speakerin & Expertin für Generationenmanagement und Altersdiskriminierung

Simon Brzoska

Content Lead bei machtfit

Generationenmanagement im BGM wird zur strategischen Pflichtaufgabe für HR- und BGM-Verantwortliche in Unternehmen ab 500 Mitarbeitenden. Über 50 Prozent der Erwerbstätigen sind bereits 55 Jahre und älter, bis 2035 gehen rund 13 Millionen Menschen in den Ruhestand und 5 bis 7 Millionen Fachkräfte werden auf dem Arbeitsmarkt fehlen. Gleichzeitig geben mehr als 50 Prozent der Mitarbeitenden 50+ an, sich psychisch belastet zu fühlen, und 25 Prozent der Renteneintritte 2024 waren Frühverrentungen. Catharina Maria Klein und Martina Schmeink zeigen in diesem Paneltalk, warum Altersbilder bares Geld kosten, welche Stärken Mitarbeitende 55+ wirklich einbringen und wie Sie mit Tools wie dem Later Life Workplace Index alternsgerechte Arbeit messbar machen. Sie erfahren, welche Hebel Sie sofort aktivieren sollten, um Bindung, Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu sichern.

Was Sie aus diesem Webinar mitnehmen

  • Demografische Ausgangslage und Fehlzeitenlogik → Sie verstehen, warum die Belegschaft 55+ für Ihr Unternehmen unverzichtbar wird und warum nicht die Anzahl, sondern die Dauer der Ausfälle der eigentliche Hebel ist.
  • Altersbilder und Altersdiskriminierung erkennen → Sie lernen, wie unbewusste Stereotype Recruiting, Stellenabbau und Innovationskultur prägen und welche konkreten Folgen das für Bindung und Gesundheit hat.
  • Stärken der Generation 55+ gezielt nutzen → Sie wissen, welche Ressourcen Loyalität, Krisenfestigkeit und Erfahrungswissen für Ihr Unternehmen bedeuten und wie Sie sie aktiv halten.
  • Generationenübergreifend zusammenarbeiten → Sie erkennen die gemeinsamen Grundbedürfnisse aller Generationen und vermeiden klassische Fallen wie „Seniorsplaining“.
  • Gesunde Führung als BGM-Hebel → Sie verstehen, warum Ergonomie und Kantine allein nicht reichen und wie Führung und Kultur die Arbeitsfähigkeit Ihrer 55+-Belegschaft entscheiden.
  • Later Life Workplace Index als Analyseinstrument → Sie kennen ein wissenschaftlich fundiertes Diagnoseinstrument mit neun Dimensionen, das Stärken und Schwächen alternsgerechter Arbeit messbar macht.
  • Praxisbeispiel Berliner Stadtreinigung → Sie sehen, wie Tandemarbeit, eigenverantwortliche Teamzusammensetzung und Aufgabenrotation die Stärken Älterer konkret nutzbar machen.
  • Nächste Schritte für Ihr Unternehmen → Sie nehmen einen klaren Fahrplan mit: messen, sensibilisieren, qualifizieren, zielgruppenspezifische Angebote ausspielen und Wirkung kontinuierlich überprüfen.

Demografische Ausgangslage und Fehlzeitenlogik

Über 50 Prozent der aktuell Erwerbstätigen sind 55 Jahre oder älter. Bis 2035 gehen rund 13 Millionen Menschen in den Ruhestand, und Deutschland steuert auf einen Mangel von 5 bis 7 Millionen Fachkräften zu. Damit ist die Belegschaft 55+ kein Randphänomen, sondern eine strategische Zielgruppe für jedes BGM. Auch die Fehlzeitenstruktur verdient eine differenzierte Betrachtung: Die Anzahl der AU-Fälle steigt im Altersverlauf nicht oder kaum, in Teilen geht sie sogar zurück. Was deutlich zunimmt, sind Langzeit- und chronische Erkrankungen. Genau hier liegt der Hebel für HR und BGM, weil Langfälle wirtschaftlich besonders stark zu Buche schlagen.

Altersbilder und Altersdiskriminierung im Unternehmen

Altersdiskriminierung ist eine der wenigen Diskriminierungsformen, die in Unternehmen weiterhin akzeptiert und teils toleriert wird. Sie zeigt sich in Aussagen wie „bei dem lohnt sich das nicht mehr“, in Bewerbungsprozessen, in denen Lebensläufe 55+ von vornherein aussortiert werden, oder in Stellenabbauwellen, die zuerst die Älteren treffen. Die Folgen sind messbar: Mehr als 50 Prozent der Mitarbeitenden 50+ fühlen sich psychisch belastet, 25 Prozent der Renteneintritte 2024 waren Frühverrentungen, und gleichzeitig wären über 50 Prozent grundsätzlich bereit, bis zum oder über das Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten. Sie entscheiden sich dagegen, weil die Unternehmenskultur sie nicht mitnimmt. Damit wird Kultur zum entscheidenden Faktor für Bindung und Fachkräftesicherung.

Stärken der Generation 55+ gezielt nutzen

Mitarbeitende 55+ bringen eine Kombination, die kein Onboarding ersetzen kann: fundierte Ausbildung, oft jahrzehntelange Betriebszugehörigkeit, hohe Loyalität, Krisenfestigkeit und ein tiefes Verständnis interner Prozesse und Gepflogenheiten. Das wirtschaftlich Relevante: Dieses Erfahrungswissen ist häufig genau dort verankert, wo Standardisierung an ihre Grenzen stößt. Wer diese Gruppe abschreibt, ignoriert oder frühzeitig in den Ruhestand schickt, gibt Wettbewerbsvorteile aus der Hand. Hinzu kommt die Außenwirkung: Auch ehemalige Mitarbeitende sind Botschafter:innen ihres Unternehmens, mit teils sehr lauten Stimmen im Netzwerk.

Generationenübergreifend zusammenarbeiten

Im Kern unterscheiden sich die Generationen weniger als oft angenommen. Alle Altersgruppen haben dieselben Grundbedürfnisse: Autonomie, also Selbst- und Mitbestimmung sowie persönliche Entfaltung, und Zugehörigkeit, also Wertschätzung, Anerkennung und das Gefühl, gebraucht zu werden. Brücken bauen heißt deshalb, Erfahrung als Ressource statt als Machtinstrument zu nutzen. Auch das Gegenteil klassischer Altersdiskriminierung verdient Aufmerksamkeit: das sogenannte „Seniorsplaining“, bei dem Lebenserfahrung ungefragt und abwertend gegenüber Jüngeren ausgespielt wird. Wirksame Generationenarbeit adressiert beide Richtungen und etabliert eine Kultur, in der Erfahrungswissen wechselseitig fließt.

Gesunde Führung als BGM-Hebel

Klassisches BGM denkt häufig zuerst an ergonomische Arbeitsplätze, Kantine und Sportkurse. Diese Bausteine bleiben wichtig, reichen aber nicht. Entscheidend für die Arbeitsfähigkeit der Belegschaft 55+ ist gesunde Führung: psychologische Sicherheit, Wertschätzung, klare Rollen und ein Arbeitsumfeld, in dem Belastungen früh angesprochen werden können. Wenn Sie Mensch und Bedürfnis konsequent in den Mittelpunkt stellen, schaffen Sie eine nachhaltige Gesundheits- und Leistungsbasis, unabhängig vom Alter. So lassen sich Bindung erhöhen, Frühverrentungen reduzieren und Erfahrungswissen länger im Unternehmen halten.

Later Life Workplace Index als Analyseinstrument

Der Later Life Workplace Index (LWI) ist ein wissenschaftlich entwickeltes Diagnoseinstrument der Leuphana Universität Lüneburg, getragen vom Demografie Netzwerk und weiteren Partnern. Er macht Altersfreundlichkeit am Arbeitsplatz messbar und arbeitet mit neun Dimensionen: Arbeitsgestaltung, Gesundheitsmanagement, persönliche Entwicklung, Wissensmanagement, Führung, Organisationsklima, Übergang in den Ruhestand, Weiterbeschäftigung im Rentenalter sowie Versicherung und Vorsorge. Befragt werden gezielt Tandems aus älteren Beschäftigten und ihren Führungskräften, nicht die gesamte Belegschaft. Der LWI bewertet damit nicht die persönliche Situation, sondern die Tauglichkeit der betrieblichen Praktiken. Für Unternehmen unter 500 Mitarbeitenden reichen mindestens zwei Tandems, ab 500 Mitarbeitenden mindestens fünf, in der Praxis empfehlen sich oft mehr, um Akzeptanz und Aussagekraft zu erhöhen. Die Befragungszeit liegt bei maximal 30 Minuten je Person. Die Auswertung wird im Anschluss in einem Strategieworkshop mit der Unternehmensstrategie abgeglichen, sodass aus Daten konkrete Maßnahmen entstehen.

Praxisbeispiel Berliner Stadtreinigung

Wie sich LWI-Erkenntnisse konkret übersetzen lassen, zeigt die Berliner Stadtreinigung in der Dimension Wissen und Kompetenz. Reinigungsteams mit jeweils acht Beschäftigten planen ihre Einsätze in Eigenregie und entscheiden über die Zusammensetzung der Gruppe selbst, solange definierte Qualifikationen abgedeckt sind. Jede Gruppe wählt eine Sprecherin oder einen Sprecher, die oder der die Interessen vertritt. Diese flexible Form der Arbeitsorganisation ermöglicht es, Stärken und Erfahrungen älterer Beschäftigter gezielt einzusetzen, Leistungseinschränkungen über Aufgabenrotation oder Teamzusammensetzung abzufedern und Belastungssituationen früh aufzufangen. Der Effekt: höhere Arbeitsfähigkeit, mehr Ownership und stabilere Teams.

Zielgruppenspezifische BGM-Angebote für die Generation 55+

Die Annahme, ältere Mitarbeitende ließen sich für Gesundheitsangebote schlecht erreichen, ist falsch. Entscheidend sind Angebotsmix, Wording und Kommunikationskanäle. Mit machtfit erreichen Unternehmen über 70 Prozent der Belegschaft mit Gesundheitsmaßnahmen, auch in der Altersgruppe 50+. Wichtig ist die saubere Persona-Arbeit: Welche Formate sind reizvoll, welche Kanäle funktionieren, welche Tonalität spricht die Zielgruppe an? Eine Urban-Sports-Mitgliedschaft adressiert andere Bedürfnisse als ein Schwimmbadangebot, ein Präventionskurs gegen Rückenschmerzen oder digitale Mental-Health-Angebote. Wer hier differenziert, holt eine Zielgruppe ab, die sich für ihre Gesundheit häufig sehr dankbar zeigt, sobald sie sich gesehen fühlt.

Nächste Schritte für Unternehmen

Beide Expertinnen empfehlen einen klaren Fahrplan. Erstens: Altersstrukturanalyse und Stimmungsbild. Wie ist die Belegschaft heute zusammengesetzt, wie entwickelt sie sich, und wie funktioniert die Generationenzusammenarbeit? Zweitens: Sensibilisierung über Vorträge, Workshops und gezielte Trainings für Führungskräfte und HR, idealerweise mit Praxisbezug statt One-Shot-Vorträgen. Drittens: Maßnahmen ableiten und zielgruppengerecht ausspielen, mit altersfreundlichen Angeboten, generationsübergreifenden Formaten und einer Kommunikation, die wirklich ankommt. Viertens: Wirkung messen, etwa über den LWI als wiederkehrendes Diagnoseinstrument.

Handlungsempfehlungen

  • Starten Sie mit einer ehrlichen Standortbestimmung. Werten Sie Ihre Altersstruktur aus, identifizieren Sie die Schlüsselrollen, in denen Erfahrungswissen 55+ besonders kritisch ist, und prüfen Sie, wie viele Frühverrentungen und ungewollte Abgänge Sie in dieser Gruppe in den letzten Jahren hatten. Das schafft die Faktenbasis, mit der das Thema strategisch wird statt eine HR-Randnotiz zu bleiben.
  • Machen Sie Altersfreundlichkeit messbar. Setzen Sie ein Diagnoseinstrument wie den Later Life Workplace Index ein, befragen Sie Tandems aus älteren Mitarbeitenden und ihren Führungskräften und gleichen Sie die Ergebnisse mit Ihrer Personalstrategie ab. Wiederholen Sie die Erhebung, sobald Maßnahmen wirken sollen, um Fortschritte sichtbar zu machen.
  • Investieren Sie in Führung und Kultur. Sensibilisieren Sie Führungskräfte für eigene Altersbilder, trainieren Sie generationsübergreifende Kommunikation und schaffen Sie psychologische Sicherheit. Bauen Sie aktiv Brücken zwischen den Generationen, statt einseitig auf „digital-affine Jüngere“ oder „erfahrene Ältere“ zu setzen.
  • Bauen Sie ein zielgruppenspezifisches BGM-Portfolio. Analysieren Sie die Persona 55+ entlang von Bedürfnissen, Kanälen und Sprache und kombinieren Sie Bewegungs-, Mental-Health-, Ernährungs- und Präventionsangebote so, dass sie alltagstauglich sind. Nutzen Sie eine Plattform wie machtfit, um die Reichweite über 70 Prozent zu skalieren und Angebotsnutzung pro Zielgruppe transparent zu steuern.
  • Verankern Sie Wissenstransfer und Übergang in den Ruhestand. Etablieren Sie Tandem- und Mentoring-Modelle, gestalten Sie flexible Übergänge und Weiterbeschäftigungsoptionen und sichern Sie kritisches Erfahrungswissen, bevor es geht. Damit machen Sie aus dem demografischen Wandel einen kalkulierbaren Prozess statt einer Welle, die Sie überrollt.

Timecodes im Video

00:00 – Begrüßung und Einordnung des Themas

01:00 – Vorstellung der Speakerinnen

02:00 – Demografischer Wandel und Fachkräftelücke

03:00 – Fehlzeitenlogik: Fälle vs. Langzeiterkrankungen

04:30 – Umfrage: Anteil der Mitarbeitenden 50+

06:00 – Wie wir über das Älterwerden denken

14:30 – Zahlen zur älteren Belegschaft bis 2035

16:00 – Altersdiskriminierung in Recruiting und Stellenabbau

21:30 – Seniorsplaining und Erfahrung als Brücke

23:30 – Stärken der Generation 55+

25:00 – Gemeinsame Grundbedürfnisse aller Generationen

27:00 – BGM neu denken: Gesunde Führung

35:00 – Der Later Life Workplace Index

44:00 – Dimension Gesundheitsmanagement im LWI

50:00 – Vorgehen, Tandems und Befragungsumfang

52:50 – Praxisbeispiel Berliner Stadtreinigung

58:50 – Nächste Schritte für Unternehmen

1:01:30 – Zielgruppenspezifisches BGM für 55+

Das Netzwerk für HR-Verantwortliche, die Gesundheit strategisch denken.

hr health gibt Personalabteilungen Austausch mit Peers, praxisnahe Impulse und belastbare Daten an die Hand – für mehr Leistungsfähigkeit, Zufriedenheit und Bindung bei Mitarbeitenden.