
Simon Brzoska
Content Lead bei machtfit

Benedikt Kurz
Dualer Student Content bei machtfit
Hinter Return on Health steht eine einfache Logik: Sie stellen den Investitionen in Prävention und Gesundheitsförderung den finanziellen Nutzen gegenüber, der für Ihr Unternehmen daraus entsteht. Auf der Kostenseite stehen Programme wie §20-Prävention, Betriebsarzt, EAP, MhFA-Netzwerke, ergonomische Ausstattung, Mitarbeitendenkantine, Personalkosten oder Firmenfitness. Diese Kosten lassen sich in der Praxis sehr präzise messen. Auf der Returnseite stehen Effekte wie weniger AU-Tage, niedrigere Fehlzeiten, weniger Arbeitsunfälle und geringere Fluktuation. Diese Größen sind ebenfalls gut erfassbar. Schwieriger wird es bei Mitarbeitendenzufriedenheit, Motivation, Wohlbefinden und Produktivität: genau hier liegt der eigentliche Hebel, weil diese Faktoren auf nahezu alle messbaren Größen einzahlen, gleichzeitig aber nur indirekt erfasst werden können. Hinzu kommt das Präventionsparadoxon: Wirkungen entstehen oft erst Jahre später, sodass eine rein retrospektive Betrachtung den tatsächlichen ROI systematisch unterschätzt. Wer den prospektiven Effekt mitdenken will, muss mit Schätzwerten arbeiten – ein bewusster Umgang damit ist Voraussetzung jeder seriösen ROI-Logik.
Für eine seriöse Einordnung lohnt der Blick in die wichtigsten Quellen. Der IGA-Report 28 wertete Studien aus 2006 bis 2012 aus und kam auf einen Return on Prevention von 327 Prozent sowie eine Reduktion krankheitsbedingter Fehlzeiten um durchschnittlich 25 Prozent. Der Folgereport IGA 40 für den Zeitraum 2012 bis 2018 nennt einen ROI von rund 270 Prozent und betont: besonders effektiv sind Programme, die mehrere Problemfelder gezielt adressieren statt mit der Gießkanne zu arbeiten. Der Review von Tan et al. (2023, European Journal of Public Health) wertete 141 Interventionsstudien aus 26 Ländern aus, davon zeigen 56 Prozent einen positiven ROI, 8 Prozent einen negativen. Der Review von Unsal (2021, Public Health Reports) stellt heraus, dass Krankheitsmanagement-Programme den höchsten ROI erzielen und dass Unternehmen mit über 500 Mitarbeitenden klare Skalenvorteile haben. Besonders aufschlussreich ist der Review von Baxter et al. (2014): er weist einen durchschnittlichen ROI von 138 Prozent aus, zeigt aber gleichzeitig, dass strenge RCTs einen negativen ROI von minus 26 Prozent ergeben, mittlere Studienqualität nahezu neutrale Werte und nur schwache Beobachtungsstudien deutlich positive ROIs liefern. Die Botschaft ist klar: positiver ROI im BGM ist möglich, ein Verlust aber genauso. Anbieterversprechen von 400 oder 500 Prozent halten der wissenschaftlichen Realität selten stand und sollten in der Argumentation gegenüber Geschäftsführung und CFO nicht ungeprüft übernommen werden.
Aus der Studienlage lassen sich klare Hebel ableiten, die in Ihrer eigenen BGM-Praxis den Unterschied machen.
Ergänzend lohnt es sich, digitale Plattformen zu nutzen, statt jedes Angebot intern aufzubauen, weil Sie sonst Ihre Kapazität in Organisation statt Wirkung investieren. Wer alle sieben Hebel zugleich bedient, kommt selbst bei vorsichtigen Schätzwerten verlässlich in den positiven ROI-Bereich.
Vorstand, CFO und Personalleitung sind in der Regel skeptisch und brauchen Zahlen statt Bauchgefühl.
Ziel ist die englische Spirale: Pilotprojekt mit erkennbarem Nutzen, daraus mehr Budget, daraus mehr Projekte, daraus mehr Wirkung, daraus wieder mehr Budget. Wer diese Schleife einmal in Gang setzt, verändert die Wahrnehmung von BGM im Unternehmen dauerhaft.
In einer Live-Umfrage des Webinars sehen 60 Prozent ihr BGM bereits als Profit Center, 40 Prozent noch als Cost Center. Beide Sichtweisen haben ihre Berechtigung: Im Cost-Center-Denken geht es um Kostenkontrolle, Erfüllung gesetzlicher Anforderungen und Reduktion von Krankheitstagen. Im Profit-Center-Denken ist BGM eine Investition mit messbarem Beitrag zum Geschäftserfolg, vergleichbar mit Marketing. Ergänzend liefert das multiperspektivische Legitimationskonzept vier parallele Begründungslinien für BGM: wirtschaftlich (ROI), psychologisch (Resilienz, soziales Klima), gesetzlich (Arbeitsschutzgesetz, SGB, Präventionsgesetz) und ethisch-sozial (ESG, Unternehmensverantwortung). Wer diese vier Säulen sicher beherrscht, kann jede BGM-Diskussion auf der Ebene führen, auf der das Gegenüber ansprechbar ist. Konkret umsetzbar wird das Ganze durch acht Schritte: Business-Ziel klären (z. B. rückenbedingte Fehltage um 20 Prozent senken), Zielgruppe priorisieren (dort, wo Wertschöpfung und Problemlast hoch sind), Maßnahme mit hohem Impact wählen, Pilotprojekt mit Vorher-Nachher-Design aufsetzen, Reichweite planen, Nachhaltigkeit über mehrere Jahre sichern, Kosten optimieren und schließlich den ROI berechnen, Schätzwerte an die Realität anpassen und das Vorgehen ausrollen. Wer zehn Projekte konsequent nach diesem Muster steuert, kommt schrittweise zu einem belastbaren Gesamt-ROI seines BGM.
00:00 – Begrüßung und Einstieg in das Thema Return on Health
03:00 – Was Return on Prevention konkret bedeutet
05:30 – Die zwei Lager: Anbieterversprechen und CFO-Skepsis
07:00 – Live-Umfrage: Wie hoch schätzen Sie Ihren ROI ein?
10:00 – Hürden in der ROI-Berechnung im Alltag
12:30 – Berechnungsformel auf Projektebene nach Uhle und Treier
15:30 – Retrospektiver und prospektiver ROI im Vergleich
17:50 – IGA-Reports 28 und 40 mit Werten von 270 und 327 Prozent
20:00 – Reviews von Tan, Unsal und Baxter
23:00 – Zusammenhang von Studienqualität und ROI-Höhe
28:30 – Sieben Hebel für einen positiven ROI im BGM
33:30 – Wünsche versus Bedarf in der Angebotsplanung
37:30 – Wie Sie CFO und Geschäftsführung überzeugen
39:30 – BGM als Cost Center oder Profit Center
44:30 – Multiperspektivisches Legitimationskonzept nach Treier
47:30 – Acht Schritte zum positiven ROI in der Praxis
50:00 – Abschluss, Community-Hinweis und Fragen
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