
Dr. Christian Becker
Product Lead von machtfit

Daniel Tungul
Mitgründer & CSO von machtfit
Gute BGM-Entscheidungen brauchen mehr als Bauchgefühl und Anekdoten. Christian Becker ordnet Nutzerforschung in drei Ebenen: Verhaltensdaten zeigen, was wirklich getan wird (Klicks, Buchungen, Aktivierung), Befragungsdaten liefern Selbstauskünfte über Verhalten und Wahrnehmung, und die Ebene der Einstellungen und Motive macht erklärbar, warum Mitarbeitende handeln oder eben nicht. Erst die Kombination aller drei Quellen erlaubt fundierte Hypothesen, die im Alltag tatsächlich tragen. Daniel Tunggul bringt es mit Albert Einstein auf den Punkt: Wer eine Stunde Zeit hat ein Problem zu lösen, sollte 55 Minuten in das Verständnis des Problems investieren und nur 5 Minuten in die Lösung. Genau dieser Reflex fehlt in vielen BGM-Diskussionen, in denen schnell Maßnahmen beschlossen werden, ohne die eigentlichen Treiber von Beteiligung verstanden zu haben.
machtfit betreut über 400.000 Mitarbeitende in sehr unterschiedlichen Branchen und Unternehmensgrößen. Im Jahr 2023 lag die durchschnittliche Registrierungsquote bei 58 Prozent, mit einer ausgeglichenen Verteilung zwischen Frauen und Männern. Bei den Vor-Ort-Angeboten dominieren Massagen mit deutlichem Abstand, gefolgt von Wellness und Schwimmen sowie Fitness- und Krafttraining. Bei den Equipment-Angeboten für zu Hause stehen Lebensmittel und Kochboxen ganz oben, danach folgen Schlafprodukte, Regenerationshilfen und Fertiggerichte. Spannend sind dabei die Unterschiede zwischen Frauen und Männern: Männer nutzen sowohl Wellness-Angebote als auch Lebensmittel- und Kochboxen häufiger als Frauen, und auch beim Thema Schlafprodukte liegen sie vorne. Bei den Gesundheitszielen liegt Gewichtsreduktion klar auf Platz 1, gefolgt von Wellness und Entspannung sowie Kraft- und Muskelaufbau, Ausdauer und gesunder Ernährung. Auffällig: Genannte Ziele und tatsächliches Buchungsverhalten fallen oft auseinander, was die Notwendigkeit gezielter Steuerung durch die Plattform unterstreicht. Beim Stimmungsbild zeigt sich ein deutlicher Gender-Gap: Frauen geben überdurchschnittlich häufig „müde, erschöpft“ oder „gestresst“ an, was mentale Gesundheit als BGM-Topthema unterstreicht.
Um die Plattformdaten besser zu verstehen, hat machtfit eine quantitative Online-Befragung mit 1.430 bereinigten Antworten durchgeführt: 868 machtfit-Nutzer:innen sowie 562 Beschäftigte aus einem externen Panel, alle aus Unternehmen mit mehr als 350 Mitarbeitenden. Auf die Frage, was sie an mehr Sport und Bewegung hindert, nennen die Befragten klassisch „zu wenig Zeit“, „zu wenig Energie“ und „zu wenig Disziplin“. Spannend wird es bei der statistischen Tiefenanalyse: Über die gesamte Stichprobe ist der einzige signifikante Bremsfaktor für tatsächliche Aktivität der Mangel an Energie und Disziplin. Klassische Argumente wie Zeit, Geld oder Geschlecht haben in der Faktorenanalyse keinen messbaren Effekt auf die Aktivität. Auf der Treiberseite wirken vor allem zwei Faktoren stark positiv: intrinsische Motivation und allgemeine Neugier. Daraus ergeben sich zwei klare BGM-Aufgaben: Erstens vorhandene Neugier und intrinsische Motivation gezielt nutzen und unterstützen. Zweitens Rahmenbedingungen schaffen, die den inneren Schweinehund kleiner machen, etwa durch niedrigschwellige Einstiegsangebote, Routinen und passende Anstöße zur richtigen Zeit.
Aus der Befragung lassen sich drei klar abgrenzbare Mitarbeitendentypen ableiten. Die Inaktiven zeigen geringe Intensität und kurze Historie sportlicher Aktivität, kämpfen besonders stark mit Disziplin und Energie, planen aber durchaus, mehr zu tun. Sie brauchen kleine, machbare Einstiegsschritte statt ambitionierter Großziele. Die Mainstream-Gruppe ist die größte und gleichzeitig die strategisch wichtigste, weil hier kontinuierliche Aktivierung und Routinebildung den größten Hebel liefern. Die Hochaktiven verfügen über lange Historie, hohe Intensität, breite Aktivitätsvielfalt und ausgeprägte Neugier; sie sind weniger erklärungsbedürftig, aber wertvolle Multiplikator:innen. In der Gesamtbevölkerung (Panel) verteilen sich die Gruppen auf rund 20 Prozent Inaktive, 56 Prozent Mainstream und 25 Prozent Hochaktive. Bei den machtfit-Nutzer:innen liegt der Anteil der Inaktiven deutlich niedriger, was zeigt: Die Plattform erreicht nachweislich auch Mitarbeitende, die sonst kaum aktiv werden, ein wichtiger Indikator für Reichweite und BGM-Wirkung.
Die Befragung liefert auch klare Hinweise auf die Wirkung von Gesundheitsangeboten auf Bindung, Wertschätzung und Arbeitgeberattraktivität. machtfit-Nutzer:innen bewerten ihr Angebot deutlich höher als Beschäftigte aus dem externen Panel ihre jeweiligen Arbeitgeber-Angebote: als attraktiver Benefit, als Zeichen der Wertschätzung, als bindungswirksam und als Empfehlungsanlass. Gleichzeitig zeigt die Befragung, was Mitarbeitende in deutschen Unternehmen heute typischerweise erhalten: Beratung, Überstundenausgleich, Betriebssport, Schulungen, gesunde Kantinenalternativen, dann wird es schnell dünn. Die tatsächlich nachgefragten Aktivitäten reichen von Fitness und Krafttraining über Radfahren, Wandern, Laufen und Schwimmen bis zu Yoga, Pilates und Gymnastik, und sie werden in unterschiedlichsten Konstellationen ausgeübt: eigenständig, mit kommerziellen Anbietern oder im Verein. Diese Diversität deckt kaum ein Standardangebot ab. Genau hier liegt der zentrale Hebel: ein digitales Gesundheitsbudget, das individuell einlösbar ist, schließt die Lücke zwischen begrenzten Inhouse-Ressourcen und der realen Bandbreite an Bedürfnissen einer modernen Belegschaft.
00:00 – Begrüßung und Einstieg in das Thema Daten im BGM
03:00 – Vorstellung machtfit: Plattform, Reichweite und Wirkung
06:00 – Warum Daten und Problemverständnis vor Lösungen kommen
08:00 – Drei Ebenen der Nutzerforschung: Verhalten, Befragung, Motive
10:30 – Top-Kategorien Vor-Ort-Angebote 2023 mit Massagen an der Spitze
13:30 – Top-Equipment-Angebote: Lebensmittel, Schlaf, Regeneration
15:30 – Gesundheitsziele der Nutzer:innen mit Schwerpunkt Gewichtsreduktion
19:00 – Stimmungsbild und mentale Gesundheit im Gender-Vergleich
21:30 – Frauen-Männer-Gap bei Buchungen und gezielte Aktivierung
25:00 – Aufbau der quantitativen Befragung mit 1.430 Teilnehmenden
29:00 – Was Mitarbeitende als Hindernisse wahrnehmen
30:30 – Statistische Analyse: Was Aktivität wirklich treibt und bremst
33:00 – Zwei BGM-Kernaufgaben: Motivation nutzen und Hürden senken
35:30 – Drei Mitarbeitendentypen: inaktiv, Mainstream, hochaktiv
38:30 – Vergleich machtfit-Nutzer:innen versus externes Panel
41:00 – Welche Sportarten Mitarbeitende tatsächlich ausüben
44:30 – Was Mitarbeitende sich zusätzlich wünschen
46:30 – Lücke zwischen heutigem Angebot und realer Diversität
48:00 – Wirkungsnachweis: Wertschätzung, Bindung und Empfehlung
50:00 – Zusammenfassung und Ausblick
Das Netzwerk für HR-Verantwortliche, die Gesundheit strategisch denken.
hr health gibt Personalabteilungen Austausch mit Peers, praxisnahe Impulse und belastbare Daten an die Hand – für mehr Leistungsfähigkeit, Zufriedenheit und Bindung bei Mitarbeitenden.