
Timko Linssen
Moderator

Simon Brzoska
Content Lead bei machtfit

Nicole Jehly
Leiterin HR bei Pfalzwerke AG
Gesunde, leistungsfähige Mitarbeitende sind die zentrale Ressource jedes Unternehmens. Wenn die Gesundheit kippt, folgen Krankheitskosten, Belastungen für Teams, Eingliederungsaufwände und im schlimmsten Fall der Verlust der Arbeitsfähigkeit, das größte finanzielle Risiko, das ein Mensch in seinem Berufsleben tragen kann. Aus Unternehmenssicht hat Mitarbeiterzufriedenheit damit eine doppelte Logik: Sie ist gleichzeitig Treiber von Leistungsfähigkeit, Bindung und Arbeitgeberattraktivität und Schutzschild gegen die wachsenden Folgen demografischer Entwicklung und psychischer Belastung. Nicole Jehly bringt es klar auf den Punkt: Neben mobilem Arbeiten und Arbeitszeitflexibilisierung ist Gesundheit das dritte große Feld, das Arbeitgeber heute aktiv bespielen müssen, um auf einem leergefegten Bewerbermarkt sichtbar und attraktiv zu bleiben.
Die Pfalzwerke AG ist ein traditionsreicher regionaler Energieversorger mit Hauptsitz in Ludwigshafen, gegründet 1912 und seit 2024 strategisch neu aufgestellt vom klassischen Versorger zum Zukunftsgestalter klimafreundlicher Energielösungen. Rund 1.500 Mitarbeitende arbeiten in der Gruppe, 1.300 davon sind aktuell ins Gesundheitsmanagement eingebunden. Die operative Realität ist anspruchsvoll: ein Netzgebiet von rund 6.000 Quadratkilometern bis zur französischen Grenze, Anreisezeiten von bis zu eineinhalb Stunden bei zentralen Gesundheitstagen, eine sehr heterogene Belegschaft zwischen gewerblicher Netztätigkeit und reiner Bürotätigkeit sowie bis zu 100 Prozent mobile Arbeit seit Corona. Klassische, zentrale Gesundheitstage erreichten unter diesen Bedingungen einen Großteil der Belegschaft schlicht nicht und führten dazu, dass sich Außenstandorte regelmäßig ausgeschlossen fühlten.
Wer in der Vorstandsrunde Budget für BGM verteidigen muss, braucht harte Argumente. Nicole Jehly empfiehlt zwei frei zugängliche Quellen, die regelmäßig wissenschaftlich auswertet werden. Der IGA-Report Nr. 28 weist einen Return on Investment von rund 2,73 US-Dollar pro investiertem Euro nach, das entspricht aktuell etwa 2,50 Euro Rückfluss je Euro BGM-Investition. Außerdem belegt er evidenzbasiert, dass sich krankheitsbedingte Fehlkosten durch gut gestaltete Maßnahmen um bis zu 25 Prozent senken lassen. Der aktuelle BMAS-Bericht zur psychischen und physischen Gesundheit in deutschen Betrieben (Juni 2023) zeigt parallel, dass der Wohlbefinden-Index der Beschäftigten seit 2017 kontinuierlich abnimmt und Arbeitsqualität, Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit eng miteinander verknüpft sind. Zwei klare Botschaften: BGM rechnet sich, und der Handlungsdruck steigt. Wer hier nicht aktiv wird, riskiert einen messbaren Rückgang von Engagement und Bindung.
Bei den Pfalzwerken existierte bereits eine Betriebsvereinbarung über sogenannte „innovative Leistungen“, über die Mitarbeitende Belege aus unterschiedlichen Kategorien einreichen und einen Zuschuss erhalten konnten, von Fitnessstudio-Beiträgen bis zu therapeutischen Leistungen. Das System war historisch gewachsen, papierbasiert und schwer skalierbar. Gemeinsam mit dem Betriebsrat startete HR ein Projekt mit drei Zielen: Ausrichtung der geförderten Leistungen an den strategischen Zielen des Unternehmens (Ökologie, Gesundheit, Vereinbarkeit), Optimierung der Beteiligungsmöglichkeiten für alle Beschäftigten und deutliche Reduktion des Verwaltungsaufwands. Ein Sounding Board aus Mitarbeitenden lieferte die wichtigsten Anforderungen an die neue Lösung: Angebotsvielfalt, einfache Bedienung, Übersichtlichkeit und eine kontinuierliche Ansprache, die HR mit eigenen Mitteln nicht leisten konnte. Daraus entstand die Entscheidung für einen professionellen Plattform-Partner.
Entscheidend für die Auswahl von machtfit waren vier Punkte: die Möglichkeit, das bestehende System der innovativen Leistungen 1:1 in einer digitalen Logik abzubilden, die Integration zusätzlicher unternehmensindividueller Kategorien wie Jobrad, Pflegekosten, Weiterbildung und Energiekosten, der breite Katalog an Gesundheitsangeboten und die vollständige Abwicklung von Einreichung bis Auszahlung über die Plattform. Mitarbeitende erhalten ein virtuelles Guthaben von 600 Euro pro Geschäftsjahr, das sie flexibel für Angebote aus dem machtfit-Katalog oder für Belege aus den vereinbarten Förderkategorien einsetzen können. Bestehende Bausteine wie der Berufs- und Familienservice (benefit@work), psychosoziale Beratung, Impfaktionen des werksärztlichen Dienstes sowie Betriebssportgruppen werden Schritt für Schritt zentral angebunden. Ergebnis: ein Single Point of Health, an dem HR-Themen, Gesundheit und Vereinbarkeit zusammenlaufen.
Den Unterschied machte aus Sicht von Nicole Jehly nicht die Technik, sondern die Disziplin im Projektmanagement. Drei Faktoren stechen heraus. Erstens das richtige Projektteam: Betriebsrat, Rechtsbereich, Gesundheitsmanagement und je nach Bedarf Lohnbuchhaltung von Anfang an am Tisch, machtfit als Partner zum richtigen Zeitpunkt eingebunden, mit wöchentlichen Sprint-Terminen und klaren Maßnahmenplänen. Zweitens eine klare Zielsetzung von der Geschäftsleitung: definiertes Budget, klare Gestaltungsspielräume, Klarheit über Betriebsvereinbarung und Abrechnungsprozesse. Drittens ein mehrstufiges Kommunikationskonzept: Promotion auf der Betriebsversammlung mit virtueller Zuschaltung von machtfit, „tone from the top“ durch den Vorstand, Flyer für jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter sowie ein Start-Guthaben von 50 Euro für die Vorlaufzeit bis zum offiziellen Start. Anschließend Sprechstunden, Einführung der App für Beschäftigte ohne PC-Zugang und gezielte Aktivierung über eine Nikolaus-Challenge mit Kinderhospiz-Spende.
Drei Stolpersteine sollten Sie für eigene Projekte einplanen. Erstens die Anpassung an das Geschäftsjahr: Die Pfalzwerke hatten ihr Guthaben historisch an die Hauptversammlung gekoppelt, mussten den Rhythmus auf 1.1. bis 31.12. umstellen und daran die gesamte Kommunikation ausrichten. Zweitens die Aktualisierung der Betriebsvereinbarung, die mit Unterstützung des Rechtsbereichs und im engen Schulterschluss mit dem Betriebsrat überarbeitet wurde. Drittens der ambitionierte Zeitplan: Plattformstart einen Tag nach der Betriebsversammlung, Guthabenfreischaltung pünktlich zum 1. Januar. Hinzu kam die kulturelle Aufgabe, alte Zöpfe abzuschneiden, von Yogakursen im Haus über Gesundheitstage bis zur Hauspost-basierten Belegeinreichung. Nicht jede Mitarbeiterin und nicht jeder Mitarbeiter war begeistert. Die wichtigste Lehre: Klare Zielbilder, ehrliche Kommunikation darüber, was bewusst nicht mehr angeboten wird, und konsequente Sprechstundenformate an den Standorten federn Widerstand ab.
Die Zahlen sind bemerkenswert: 83 Prozent Registrierungsquote im ersten Jahr, zwischenzeitlich sogar 87 Prozent, ohne dass alle Tochtergesellschaften vollständig integriert sind. Termintreue, deutliche Arbeitsentlastung in HR, hohe Akzeptanz der individuell konfigurierten Förderkategorien und durchgehend positive Rückmeldungen zu Angeboten und Abwicklung. Die Nikolaus-Challenge hat die Belegschaft zusätzlich aktiviert und gleichzeitig 5.000 Euro für ein regionales Kinderhospiz beigetragen, ein gelungenes Beispiel dafür, wie digitale Plattform und physische Begegnung zusammenspielen. Auf der Roadmap für die nächsten Jahre stehen mentale Gesundheit als Schwerpunkt (Stichwort wachsende psychische Belastungen), die Anbindung von psychosozialer Beratung, Impfangeboten und Betriebssportgruppen an die Plattform sowie Themen wie Sabbatical-Modelle und Bike-Leasing. Das übergreifende Ziel bleibt: ein BGM, das spürbar auf Mitarbeiterzufriedenheit, Bindung und Arbeitgeberattraktivität einzahlt und sich datenbasiert weiterentwickelt.
00:00 – Begrüßung und Vorstellung der Speakerin Nicole Jehly
02:00 – Warum Gesundheit für Mitarbeitende und Unternehmen entscheidend ist
04:30 – Vorstellung der Pfalzwerke AG: Zahlen, Strategie 2024
05:30 – Herausforderung Flächenbetrieb: 6.000 km² Netzgebiet und mobiles Arbeiten
07:30 – Heterogene Belegschaft: Vom Netz bis zum Büroarbeitsplatz
09:30 – Nutzen von BGM laut Bundesgesundheitsministerium
10:30 – Evidenz: IGA-Reports 28 und 48 sowie ROI von 2,73 US-Dollar
13:00 – BMAS-Bericht 2023 und sinkender Wohlbefinden-Index
15:00 – Ausgangslage Pfalzwerke: Innovative Leistungen und Belegeinreichung
17:00 – Auswahlkriterien für die Plattform und Anforderungen aus dem Sounding Board
20:00 – Entscheidung für machtfit und Integration des Bestandssystems
23:00 – Individuelle Förderkategorien: Jobrad, Pflege, Weiterbildung, Energie
24:30 – Erfolgsfaktoren: Projektteam, Sprints, Kommunikationskonzept
27:00 – Rollout über Betriebsversammlung, Flyer und Start-Guthaben
27:30 – Sprechstundenformate und Nikolaus-Challenge
29:30 – Top-3-Herausforderungen: Geschäftsjahr, Betriebsvereinbarung, Zeitdruck
31:30 – Ergebnisse: 83 Prozent Registrierung und Spende fürs Kinderhospiz
34:00 – Wirkung auf Mitarbeiterzufriedenheit und HR-Strategie
37:00 – Digitale und physische Aktivierung clever verbinden
47:00 – Ausblick: Bike-Leasing, Sabbatical-Modelle, Lebensarbeitszeitkonten
57:00 – Mentale Gesundheit als HR-Topthema und Schlussrunde
Das Netzwerk für HR-Verantwortliche, die Gesundheit strategisch denken.
hr health gibt Personalabteilungen Austausch mit Peers, praxisnahe Impulse und belastbare Daten an die Hand – für mehr Leistungsfähigkeit, Zufriedenheit und Bindung bei Mitarbeitenden.