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Return on Prevention: Lohnt sich Prävention für Unternehmen?

Wie HR-Verantwortliche den wirtschaftlichen Nutzen von BGM mit Zahlen belegen, das Management überzeugen und den ROI ihrer Präventionsarbeit gezielt steigern.

Christoph von Oldershausen

Geschäftsführer bei movement24 GmbH

Foto von SImon Brzoska, Sprecher im Webinar zum Thema "Geschlechterspezifisches BGM"

Simon Brzoska

Content Lead bei machtfit

Lohnt sich betriebliches Gesundheitsmanagement wirklich? Die Studienlage zum Return on Prevention ist eindeutig: Jeder in Prävention investierte Euro bringt im Schnitt 2,70 € zurück. Gleichzeitig verursachen Krankheitstage rund 6.000 € Kosten pro Mitarbeitenden und Jahr, die Lohnfortzahlung in Deutschland summiert sich auf knapp 77 Milliarden Euro. Simon Brzoska (machtfit) und Christoph von Oldershausen (movement24) ordnen die Evidenz ein, zeigen die typischen Erfolgsfaktoren für einen ROP > 1 und liefern HR-Leitung und BGM-Verantwortlichen die Argumentationskette, mit der sie CFO und Vorstand in deren Sprache erreichen: Zahlen.

Was Sie aus diesem Webinar mitnehmen

  • Was Return on Prevention konkret bedeutet → Definition, Kosten- und Nutzenseite und ab welchem Faktor sich Prävention für Ihr Unternehmen rechnet.
  • Die wirtschaftliche Größenordnung von BGM → 19,4 Krankentage pro Erwerbsperson, 207 Mrd. € Bruttowertschöpfungsausfall und ca. 6.000 € Krankheitskosten pro Kopf zeigen den Hebel.
  • Was die Studienlage wirklich hergibt → IGA Reports 28 und 40, Deloitte, PwC, Gallup und Wellhub im Überblick mit ROI-Werten zwischen 1:1,47 und 1:34.
  • Erfolgsfaktoren und Limitationen → Warum gezielte, strategisch verankerte Programme einen ROP > 1 erreichen und wann ein negativer Return droht.
  • Die größten Hebel für mehr ROI → Öffentliche Bezuschussung über Krankenkassen, Rentenversicherung und Berufsgenossenschaften sowie konsequente Digitalisierung.
  • Wie Sie CFO und Vorstand überzeugen → Eine Checkliste, mit der BGM in der Sprache des Managements argumentiert und in die Engelsspirale aus Nutzen und Budget kommt.
  • Aufbau eines BGM-Kennzahlensystems → Pflichtkennzahlen, allgemeine und unternehmensspezifische KPIs sowie der pragmatische Einstieg mit nur einer ersten Kennzahl.

Was bedeutet Return on Prevention?

Return on Prevention beschreibt das Verhältnis von Investitionen in präventive Gesundheitsmaßnahmen zu deren finanziellem Nutzen für das Unternehmen. Auf der Kostenseite stehen Ergonomie, Mental Health, Betriebsarzt, Arbeitsschutz, Suchtprävention, Schulungen, Screenings und Fitnessprogramme. Auf der Nutzenseite reduzieren sich AU- und Krankheitstage, die Produktivität steigt, Fluktuation und Arbeitsunfälle sinken, Arbeitgeberattraktivität und Wiedereinstieg nach Krankheit verbessern sich. Liegt der Faktor über 1, lohnt sich die Investition. Wichtig: Sie müssen nicht alle Bausteine gleichzeitig erfassen, ein erster definierter Ausschnitt reicht für den Einstieg.

Die wirtschaftliche Bedeutung von BGM in Zahlen

Der TK Gesundheitsreport 2023 weist mit 19,4 Krankentagen pro Erwerbsperson einen Höchststand aus, das Statistische Bundesamt zählt 15,1 Tage – fast doppelt so viele wie 2007 mit damals 8,1 Tagen. Psychisch bedingte Fehltage sind laut AOK zwischen 2012 und 2022 um 48 % gestiegen, ein Fall dauert im Schnitt 29,6 Tage. Die Fluktuationsrate liegt bei 33,2 %, eine Neueinstellung kostet im Durchschnitt rund 43.000 €. Volkswirtschaftlich entstanden 2022 laut BAuA 207 Milliarden Euro Ausfall an Bruttowertschöpfung, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall summiert sich auf knapp 77 Mrd. €, das entspricht rund 2.000 € pro Arbeitnehmenden im Jahr. Auf Unternehmensebene rechnet die LAPID-Berechnung mit ca. 350 € Kosten pro Krankheitstag und ca. 6.000 € Krankheitskosten pro Mitarbeitenden und Jahr inklusive Produktivitätsausfall.

Was die Studien zum Return on Prevention zeigen

Die zentrale deutsche Evidenz liefern die IGA Reports 28 und 40: Einsparungen von 1:3,27 bzw. 2,70 € pro investiertem Euro, Reduktion krankheitsbedingter Fehlzeiten um bis zu 25 %. International ergänzen Deloitte (1:4,2 für Mental-Health-Interventionen), PwC mit Effekten auf Krankheitsausfälle (–45 %), Fluktuation (–18 %) und Unfälle (–16 %), die Gallup-Daten zu Wohlbefinden (41 % bzw. 62 % geringere Kosten) sowie eine Wellhub-Studie mit 2.000 Personalleitenden, in der 95 % der Unternehmen mit ROI-Tracking eine positive Rendite verzeichnen. Auffällig: Die Spannweite reicht von 1:1 bis 1:34 (PwC, Physiotherapie im Callcenter), und die Wirkung steigt mit der Laufzeit, wie Deloitte Canada zeigt (1:1,62 nach 1 Jahr, 1:2,18 nach 3 Jahren).

Erfolgsfaktoren und Limitationen der Evidenz

Die Studien zeigen mehrheitlich positive ROIs, sind aber methodisch begrenzt: viele US-Daten, unterschiedliche Branchen, Maßnahmen und Laufzeiten, kein 1:1 übertragbarer Business Case. Hinzu kommt das Präventionsparadoxon – verhinderte Krankheit ist schwer zu messen. Ein negativer Return ist möglich, wenn Einzelmaßnahmen ohne Konzept eingekauft werden, eine Strategie fehlt oder das BGM nicht in der Kultur verankert ist. Entscheidend für einen ROP > 1 sind eine ganzheitliche, abteilungsübergreifende Verankerung, ein kennzahlenbasiertes BGM, Management-Support, Zentralisierung und konsequente Zielgruppenorientierung statt Gießkanne. Wer die größten unternehmerischen Risiken adressiert (z. B. ältere Schlüsselkräfte in kritischen Projekten), erzielt die größten Hebel.

Die größten Hebel für einen höheren ROI: Bezuschussung und Digitalisierung

Den ersten großen Hebel liefert die öffentliche Bezuschussung. Krankenkassen, Rentenversicherung und Berufsgenossenschaften stellen je nach Konzept Zusatzleistungen oder Fördergelder bereit. Rechenbeispiel: Aus 50.000 € Eigenbudget plus geförderten Maßnahmen werden effektiv 100.000 € Wirkbudget – bei gleichem ROI von 1:3 verdoppelt sich der Return von 150.000 € auf 300.000 €. Den zweiten Hebel bildet die Digitalisierung: Plattformlösungen wie machtfit übernehmen Infrastruktur, Kommunikation, Angebotskuratierung, Einreichservice und Challenges. So entfällt der Aufbau eines eigenen Systems, Ressourcen werden geteilt und der Return steigt, weil weniger interne Kosten gegen den Nutzen stehen.

CFO und Vorstand überzeugen: in der Sprache der Zahlen argumentieren

Wer Support für BGM aus dem Management will, muss in dessen Sprache sprechen – und die ist KPI-basiert. Bewährt hat sich diese Reihenfolge: Problem mit Daten zeigen, Studienlage zum ROP vorlegen, konkrete Fallzahlen aus dem eigenen Unternehmen ergänzen (Krankenstand, Fluktuation, Kosten durch Absentismus), reale Fallbeispiele liefern (z. B. Projektstillstand durch Ausfall einer Schlüsselkraft) und das Einsparpotenzial konkret beziffern. Entscheidend ist die Frage: Wie entsteht durch BGM Wertschöpfung im Unternehmen? Wer offensiv mit Konzept auftritt, lieber etwas mehr fordert als zu wenig und Wirkung sichtbar macht, kommt in die „Engelsspirale“: Mehr Nutzen rechtfertigt mehr Budget, mehr Budget erzeugt mehr Nutzen.

Aufbau eines BGM-Kennzahlensystems

Ein wirksames Kennzahlensystem kombiniert drei Ebenen. Allgemeine Kennzahlen wie Krankenstand, Fluktuationsrate, Arbeitsunfälle, Langzeitkrankenquote, Beteiligungsquote, Präventionskosten pro Mitarbeitenden und Rückkehrquote sind ein guter Ausgangspunkt. BGM-Pflichtkennzahlen ergänzen Beteiligungsquoten, Krankheits- und Gesundheitskosten pro Kopf, Mitarbeiterzufriedenheit, Stimmungsbarometer, Beinahe-Unfälle und Ergebnisse der psychischen Gefährdungsbeurteilung. Den größten argumentativen Wert liefern jedoch die unternehmensspezifischen KPIs – etwa Belastungsquote, schichtbedingte Risiken, berufsspezifische Risiken (z. B. Rücken in der Logistik), Stress-Barometer oder die BEM-Quote. Wichtig ist, klein anzufangen, lieber mit einer aussagekräftigen Kennzahl als mit dreizehn unfertigen, und das System Schritt für Schritt auf die tatsächlichen Top-Probleme des Unternehmens auszurichten.

Handlungsempfehlungen

  • Beginnen Sie mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme Ihrer BGM-Kostenseite. Erfassen Sie nicht nur externe Maßnahmen, sondern auch interne Personalkosten, Marketingaufwand und sonstige Ressourcen, die in das Thema fließen. Diese Transparenz ist die Grundlage jeder Return-on-Prevention-Argumentation gegenüber CFO und Vorstand.
  • Identifizieren Sie das eine größte Risiko in Ihrem Unternehmen, das BGM adressieren kann – ob ältere Schlüsselkräfte in kritischen Projekten, hohe Fluktuation in einer bestimmten Abteilung oder steigende psychische Belastungen. Investieren Sie dort gezielt, statt mit der Gießkanne über alle Bereiche zu verteilen. Genau so entstehen ROP-Werte deutlich über 1.
  • Heben Sie systematisch öffentliche Fördergelder und Zusatzleistungen von Krankenkassen, Rentenversicherung und Berufsgenossenschaften. Schon eine moderate Verdopplung des Wirkbudgets bei gleichbleibendem ROI verdoppelt den Return Ihres Programms.
  • Nutzen Sie Digitalisierung und Plattformlösungen konsequent, um interne Komplexität zu reduzieren. Outsourcing von Infrastruktur, Angebotskuratierung und Einreichservice setzt Ressourcen frei, die Sie in Strategie, Kommunikation und Wirkungsmessung investieren können.
  • Bauen Sie schrittweise ein BGM-Kennzahlensystem auf – starten Sie mit einer klar zugeordneten KPI, etwa der Beteiligungsquote oder einer abteilungsspezifischen Krankenquote, und erweitern Sie das System entlang Ihrer wichtigsten Unternehmensthemen. Halten Sie die BGM-Fahne in den entscheidenden Meetings hoch und positionieren Sie sich als Lösungspartner für die strategischen Herausforderungen Ihres Unternehmens.

Timecodes im Video

00:00 – Begrüßung und Einleitung

01:55 – Agenda und Ablauf des Webinars

02:55 – Definition Return on Prevention

06:33 – Live-Umfragen und Status quo bei den Teilnehmenden

13:13 – Wirtschaftliche Bedeutung von BGM in Zahlen

17:39 – Studienlage: IGA Reports 28 und 40

22:11 – Internationale Studien: Deloitte, PwC, Gallup

27:30 – Pflegeleistungen, Wellhub und machtfit-Wirkungsdaten

30:55 – Erfolgsfaktoren und Risiken für negativen ROI

39:30 – Hebel öffentliche Bezuschussung und Digitalisierung

43:35 – CFO und Management überzeugen

47:39 – Aufbau eines BGM-Kennzahlensystems

51:55 – Angebote von machtfit und movement24

55:00 – Q&A und erste Schritte für den Einstieg

Das Netzwerk für HR-Verantwortliche, die Gesundheit strategisch denken.

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