
Christoph von Oldershausen
Geschäftsführer bei movement24 GmbH

Simon Brzoska
Content Lead bei machtfit
Return on Prevention beschreibt das Verhältnis von Investitionen in präventive Gesundheitsmaßnahmen zu deren finanziellem Nutzen für das Unternehmen. Auf der Kostenseite stehen Ergonomie, Mental Health, Betriebsarzt, Arbeitsschutz, Suchtprävention, Schulungen, Screenings und Fitnessprogramme. Auf der Nutzenseite reduzieren sich AU- und Krankheitstage, die Produktivität steigt, Fluktuation und Arbeitsunfälle sinken, Arbeitgeberattraktivität und Wiedereinstieg nach Krankheit verbessern sich. Liegt der Faktor über 1, lohnt sich die Investition. Wichtig: Sie müssen nicht alle Bausteine gleichzeitig erfassen, ein erster definierter Ausschnitt reicht für den Einstieg.
Der TK Gesundheitsreport 2023 weist mit 19,4 Krankentagen pro Erwerbsperson einen Höchststand aus, das Statistische Bundesamt zählt 15,1 Tage – fast doppelt so viele wie 2007 mit damals 8,1 Tagen. Psychisch bedingte Fehltage sind laut AOK zwischen 2012 und 2022 um 48 % gestiegen, ein Fall dauert im Schnitt 29,6 Tage. Die Fluktuationsrate liegt bei 33,2 %, eine Neueinstellung kostet im Durchschnitt rund 43.000 €. Volkswirtschaftlich entstanden 2022 laut BAuA 207 Milliarden Euro Ausfall an Bruttowertschöpfung, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall summiert sich auf knapp 77 Mrd. €, das entspricht rund 2.000 € pro Arbeitnehmenden im Jahr. Auf Unternehmensebene rechnet die LAPID-Berechnung mit ca. 350 € Kosten pro Krankheitstag und ca. 6.000 € Krankheitskosten pro Mitarbeitenden und Jahr inklusive Produktivitätsausfall.
Die zentrale deutsche Evidenz liefern die IGA Reports 28 und 40: Einsparungen von 1:3,27 bzw. 2,70 € pro investiertem Euro, Reduktion krankheitsbedingter Fehlzeiten um bis zu 25 %. International ergänzen Deloitte (1:4,2 für Mental-Health-Interventionen), PwC mit Effekten auf Krankheitsausfälle (–45 %), Fluktuation (–18 %) und Unfälle (–16 %), die Gallup-Daten zu Wohlbefinden (41 % bzw. 62 % geringere Kosten) sowie eine Wellhub-Studie mit 2.000 Personalleitenden, in der 95 % der Unternehmen mit ROI-Tracking eine positive Rendite verzeichnen. Auffällig: Die Spannweite reicht von 1:1 bis 1:34 (PwC, Physiotherapie im Callcenter), und die Wirkung steigt mit der Laufzeit, wie Deloitte Canada zeigt (1:1,62 nach 1 Jahr, 1:2,18 nach 3 Jahren).
Die Studien zeigen mehrheitlich positive ROIs, sind aber methodisch begrenzt: viele US-Daten, unterschiedliche Branchen, Maßnahmen und Laufzeiten, kein 1:1 übertragbarer Business Case. Hinzu kommt das Präventionsparadoxon – verhinderte Krankheit ist schwer zu messen. Ein negativer Return ist möglich, wenn Einzelmaßnahmen ohne Konzept eingekauft werden, eine Strategie fehlt oder das BGM nicht in der Kultur verankert ist. Entscheidend für einen ROP > 1 sind eine ganzheitliche, abteilungsübergreifende Verankerung, ein kennzahlenbasiertes BGM, Management-Support, Zentralisierung und konsequente Zielgruppenorientierung statt Gießkanne. Wer die größten unternehmerischen Risiken adressiert (z. B. ältere Schlüsselkräfte in kritischen Projekten), erzielt die größten Hebel.
Den ersten großen Hebel liefert die öffentliche Bezuschussung. Krankenkassen, Rentenversicherung und Berufsgenossenschaften stellen je nach Konzept Zusatzleistungen oder Fördergelder bereit. Rechenbeispiel: Aus 50.000 € Eigenbudget plus geförderten Maßnahmen werden effektiv 100.000 € Wirkbudget – bei gleichem ROI von 1:3 verdoppelt sich der Return von 150.000 € auf 300.000 €. Den zweiten Hebel bildet die Digitalisierung: Plattformlösungen wie machtfit übernehmen Infrastruktur, Kommunikation, Angebotskuratierung, Einreichservice und Challenges. So entfällt der Aufbau eines eigenen Systems, Ressourcen werden geteilt und der Return steigt, weil weniger interne Kosten gegen den Nutzen stehen.
Wer Support für BGM aus dem Management will, muss in dessen Sprache sprechen – und die ist KPI-basiert. Bewährt hat sich diese Reihenfolge: Problem mit Daten zeigen, Studienlage zum ROP vorlegen, konkrete Fallzahlen aus dem eigenen Unternehmen ergänzen (Krankenstand, Fluktuation, Kosten durch Absentismus), reale Fallbeispiele liefern (z. B. Projektstillstand durch Ausfall einer Schlüsselkraft) und das Einsparpotenzial konkret beziffern. Entscheidend ist die Frage: Wie entsteht durch BGM Wertschöpfung im Unternehmen? Wer offensiv mit Konzept auftritt, lieber etwas mehr fordert als zu wenig und Wirkung sichtbar macht, kommt in die „Engelsspirale“: Mehr Nutzen rechtfertigt mehr Budget, mehr Budget erzeugt mehr Nutzen.
Ein wirksames Kennzahlensystem kombiniert drei Ebenen. Allgemeine Kennzahlen wie Krankenstand, Fluktuationsrate, Arbeitsunfälle, Langzeitkrankenquote, Beteiligungsquote, Präventionskosten pro Mitarbeitenden und Rückkehrquote sind ein guter Ausgangspunkt. BGM-Pflichtkennzahlen ergänzen Beteiligungsquoten, Krankheits- und Gesundheitskosten pro Kopf, Mitarbeiterzufriedenheit, Stimmungsbarometer, Beinahe-Unfälle und Ergebnisse der psychischen Gefährdungsbeurteilung. Den größten argumentativen Wert liefern jedoch die unternehmensspezifischen KPIs – etwa Belastungsquote, schichtbedingte Risiken, berufsspezifische Risiken (z. B. Rücken in der Logistik), Stress-Barometer oder die BEM-Quote. Wichtig ist, klein anzufangen, lieber mit einer aussagekräftigen Kennzahl als mit dreizehn unfertigen, und das System Schritt für Schritt auf die tatsächlichen Top-Probleme des Unternehmens auszurichten.
00:00 – Begrüßung und Einleitung
01:55 – Agenda und Ablauf des Webinars
02:55 – Definition Return on Prevention
06:33 – Live-Umfragen und Status quo bei den Teilnehmenden
13:13 – Wirtschaftliche Bedeutung von BGM in Zahlen
17:39 – Studienlage: IGA Reports 28 und 40
22:11 – Internationale Studien: Deloitte, PwC, Gallup
27:30 – Pflegeleistungen, Wellhub und machtfit-Wirkungsdaten
30:55 – Erfolgsfaktoren und Risiken für negativen ROI
39:30 – Hebel öffentliche Bezuschussung und Digitalisierung
43:35 – CFO und Management überzeugen
47:39 – Aufbau eines BGM-Kennzahlensystems
51:55 – Angebote von machtfit und movement24
55:00 – Q&A und erste Schritte für den Einstieg
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